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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 15.12.2018

GR 14.5.2013: Redemanuskript Atai Keller zur Wiedereinsetzung Kunstkommission

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen,

was sich heute ereignet, kommt einem kleinen tektonisches Erdbeben in der Freiburger Kulturpolitik gleich. Man könnte sagen, die Einsicht in die Notwendigkeit hat die Mehrheit des Freiburger Gemeinderats zusammenkommen lassen, um die Wiedereinsetzung einer Kunstkommission zu beschließen. Das ist kein normaler Vorgang. War noch in der Kulturausschusssitzung nichts von diesem Aufbruch zu vernehmen, machte sich in der Hauptausschusssitzung dann schon mehr ein Grummeln breit, man war nicht zufrieden, wie Verwaltungsspitze und Teile des Gemeinderats mit der jahrzehnte alten Diskussion um die Anbringung des St.Martin-Motives am Martinstor umgingen. Zu schnoddrig, zu wurstig, das läßt nicht Gutes vorausahnen in die Zukunft, wie der Umgang mit Kunst, vor allem mit öffentlicher Kunst sich gestalten wird.


Die Geschichte des Bildes am Martinstor ist umfänglich dargestellt worden. Aus der breiten vielfältigen öffentliche Diskussion hierüber läßt sich ableiten, dass dieses Thema die Freiburger und Freiburgerinnen beschäftigt, weil es um einen öffentlichen sehr prominenten Gestaltungsraum geht, der seit der Barockzeit bemalt war. Jeder konnte und kann dazu seine Meinung äußern vor allem auch im Internet. Deswegen muss die Stadt ein intitutionalisiertes, expertisches und vor allem ein transparentes Vorgehen mit der Kunst im öffentlichen Raum wählen. Dieser Wunsch vereint alle antragstellenden Fraktionen. Gleichzeitig bedeutet dieses Vorgehen aber auch eine Aufwertung der Bildenden Kunst insgesamt in der Stadt, für die ich sehr dankbar bin. Die Kunstkommission war früher ein brobates Gremium, das kompetent und fachkundig die künstlerische Entwicklung der Stadt an Gebäuden, Neubauten, Plätzen und Straßen, aber auch an Museumsanschaffungen und Stiftungen oder Schenkungen begleitete. Auch war sie ein ämterübergreifendes Gremium für die Kunst und ermöglichte neue Impulsgebungen.


Die so mit Hilfe der Komission gefundene Lösung soll ein für alle Mal der Diskussion um ein Bild am Martinstor ein gutes und vor allem profundes Ende setzen. Das ist der Wunsch des gesamten Gemeinderats. Dass fertige Entwürfe von Künstlern nicht zur Ausführung kommen, wie in den 90er Jahren geschehen, das darf sich nicht wiederholen! Auch der Sponsor hat eine fachkundige Diskussion verdient, jeder Einsatz von privaten Geldern im öffentichen kulturellen Zusammenhang verdient große Anerkennung und einen verantwortlichen und nachvollziehbaren Umgang damit.


Bei den Haushaltsberatungen, meine Damen und Herren, war zuletzt die Bildende Kunst mit allen Anträgen gescheitert, keine Institution wurde erhöht und der vorgesehene Wettberwerb am Rotteckring für zeitgenössische Kunst wurde sang und klanglos kassiert. Die Kunstkommission ist nun dafür kein Ausgleich, aber die Einsetzung ist ein deutliches Zeichen des Gemeinderats, die Kunst soll wieder in der Stadt mehr Bedeutung erlangen, die Kunst soll in der Stadt eine neutrale expertische Bewertungsstelle bekommen und der Gemeinderat will vor allem ein kenntnisreiches Beratungsgremium haben in allen Fragen der öffentlichen zeitgenössichen Kunst. Und die Fragen werden mehr. Wie es in der Antragstellung heißt, stehen wir vor entscheidenden Aufgaben und Projekten, bei denen Kunst wieder eine Rolle spielen soll. Ganz im Sinne der früheren Kulturdamen, die auch schon interfraktionell tätig waren und ganz entscheidende Impulse für die kulturelle Entwicklung in der Stadt gaben. Ich nenne insbesondere Ursula Kopf, Renate Kiefer und Gertraude Ils, Edith Goldschagg und Ingrid Baas. Sie waren damals auch Mitglieder der Kunstkommission. Wichtig aber ist die deutliche Zahl von ausgewiesen fachkundigen Bürgerinnen und Bürgern, wie es auch im Antrag steht, zur Besetzung der Kommission soll die Verwaltung bitte einen Vorschlag unterbreiten. Göser ist überall, so habe ich es schon bei unserem Neujahrsempfang formuliert, und das soll heißen, Kunst ist eine Herausforderung in der Stadt und für die Stadt, sie, die Stadt, trägt für deren Gestaltung eine besondere Verantwortung, ämterübergreifend und kenntnisreich, und der wollen wir uns profund stellen.