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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 15.12.2018

Museumskonzept

Redemanuskript Atai Keller zur GR Sitzung am 19.2. 2013

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen,

„Freiburg ist klar eine anastrophale Stadt, andere sind katastrophal“, diese Feststellung trifft der Künstler und Performer Georg Winter, Hauptakteur der aktuellen Ausstellung „Lichtung im Forst“ im Museum für Neue Kunst in einem Interview mit dem Stadtmagazin Chilli, und erklärt dann anschließend, „ die Anastrophe ist zwar eine Entwicklung ins Positive, die aber auch nicht ohne Tücken ist“.

Vielleicht kann man das ganz gut auf die gesamte Situation der Museen in Freiburg übertragen, die einen enormen Schub bekommen hat in den letzten sieben Jahren, fünf davon unter ihrem neuen zentralen Leiter Tilman von Stockhausen, dem ich hiermit schon einmal sehr für seine gute und stetige Aufbauarbeit im Namen meiner Fraktionsgemeinschaft danken möchte. Es hat sich enorm was getan! Die Vorlage weist genügend auf die einzelnen Bereiche hin, ja man könnte sagen, Freiburg schickt sich an aus einem gewissen Starrzustand der Museen in eine neue Lebendigkeit der Museumslandschaften zu wachsen, dazu tragen auch die neuen Leiterinnen der einzelnen Mueumsabteilungen bei, die jetzt mit frischen Konzepten versuchen, die Häuser zu öffnen und attraktiv zu machen. Frau Litz, Frau Hilti, Frau Brüderlin, Frau Pastor und Frau Grimmer-Dehn sei hiermit besonderen Dank und viel Erfolg für die Zukunft gewünscht! Aber auch alle weiteren Museumsmitarbeiter/innen seien hiermit erwähnt, die sich seit Jahren bemühen trotz dünner Personaldecke ein gutes Programm in ihren Bereichen aufzustellen.

Nun, die Vorlage skiziert gut die Entwicklung der Museen seit der Beauftragung eines Museumsentwicklungsplanes durch den Gemeinderat im Februar 2006 nach Lord. Ich will das nicht mehr alles wiederholen, diese Entwicklung ist ein Schwerpunkt der städtischen Kulturpolitik geworden, und ein Aushängeschild für Freiburg, das sollte man der FWTM in ihr touristisches Lockbuch schreiben. Und das neu angelegte Kunstdepot ist sozusagen das Herz der Kunstbewahrung im Passivbau.  Die Zielsetzungen wurden inzwischen überwiegend erfüllt, was den baulichen, den organisatorischen und den konzeptionellen Bereich der einzelnen Museen wie auch den  zentralen Museumsbereich angeht.Die Synergien in der Organisation der Häuser und in der Bewältigung der Besucherstrukturen sind effizient und die Museumspädagogik ist trotz Verlust einer halbe Stellen neu und gut aufgestellt. Frau Fischer sei Dank!

Noch ist keineswegs die Entwicklung abgeschlossen, ganz im Gegenteil, große Aufgaben sind noch zu bewältigen, wenn bis 2018 alle drei Abschnitte des Augustinermuseums fertig gestellt werden sollen. Der Umzug des stadtgeschichtlichen Museums in den dritten Bauabschnitt ist dann ebenso zu vollziehen, wie die Realisierung der sogannten Dialogräume als Ersatz für einen interkulturellen Begegnungsraum, den ein zeitgemäßes ethnologisches Museum bereit gestellt hätte, das aber leider der neuen Konzeption zum Opfer gefallen ist. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt!

Auch könnte ich jetzt gewissen Schwierigeiten im Umgang konstatieren, wie zum Beispiel die unter Tage gelegte Wechselausstellungshalle, die als zweigeteilter Raum Nutzungsdefizite aufweist, oder einen gewissen inszenatorischen Charakter der Kunstwerke im „Hauptschiff“ des Augustinermuseums, aber das sind Anmerkungen an eine insgesamt sehr gut verlaufene Entwicklung. Die auf Dauer mangelhafte Ausstellungssituation des Museums für neue Kunst, auf welche die Vorlage mit Deutlichkeit hinweist, sei hier ausdrücklich erwähnt. Da gibt es eines Tages Handlungsbedarf! Herr Winter, der Raumutopist und Konzeptkünster hat dazu ja schon einen bemerkenswerten Vorschlag gemacht.

Diese Entwicklung ist, wie gesagt, nicht beendet, sondern sie befindet sich an einem wichtigen Zwischenstop. Es handel sich hier um einen dauerhaften Prozess, der in einen Museumsplan 2030 münden soll, vielleicht mit einem weiteren Gutachten in ein paar Jahren über die erreichte Situation und mit einem implizierten Museumskonzept über das Museum von morgen und die Anforderungen an die Kunst als Fragestellerin. Davon spricht übrigens auch Georg Winter in seiner aktuellen Ausstellung, wenn er vom Begriff des Tribalismus spricht, von einer Enge im räumlichen und im geistigen Sinne, vor der wir uns schützen sollten, eine Abwehr gegen Selbstzufriedenheit und Stillstand, - da sind wir in Freiburg trotz allem etwas anfällig!     
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!