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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 20.07.2019

Haushaltsrede KULTUR zum Doppelhaushalt 2019/20

Atai Keller

Rede Atai Keller am 9.04.2019 im Gemeinderat

Stadttheater und städtische Museen sind in gewohnter Weise stabil. Davon konnten wir uns in persönlichen Gesprächen überzeugen. Auf „kleinere Blessuren“ gehe ich an dieser Stelle nicht ein. Die Kunst- und Kulturstadt jedoch hat noch immer einiges nachzuholen. Manche Sparten weisen ein enormes Defizit an struktureller Förderung auf, die junge Kunst drängt weiter nach vorne und die Errungenschaften aus den 80er Jahren sind in die Jahre gekommen und brauchen Stabilisierung und Ausbau. Der Weggang der Karlsruher Akademie und die Fusion des SWR-Orchesters hinterlassen immer noch große Lücken. Der prekären Lebenssituation unter den Kulturschaffenden und Künstler/innen ist nur schwer Abhilfe zu leisten.

Ein wichtiger Schritt ist sicher die beschlossene jährliche Anhebung aller Kulturzuschüsse um 2.5% . Die diesjährigen Haushaltsberatungen sind für viele Antragsteller bis jetzt positiv verlaufen, alleine in der Musik sind es 13 Anträge,  und so manche Gruppierung wurde das erste Mal in die institutionelle Förderung aufgenommen. Mutig hat sich der Gemeinderat mit unseren Stimmen hinter einen Antrag gestellt, der endlich das Barockorchester auf ein mit anderen Orchestern vergleichbares finanzielles Niveau stellt, ebenso mutig hat sich aber auch eine andere Mehrheit des Gemeinderats wieder mit unseren Stimmen hinter einen Antrag - allerdings noch mit Sperrvermerk – gestellt, der die Bands aktiv in ihren Auftritten unterstützt und somit auch der Clubszene hilft. Auch die vielfältige kulturelle Vernetzung ist in der 2.Lesung schon bestätigt worden durch positive Anträge von 'Multicore' oder 'Mehrklang', der 'Chorstadt Freiburg' oder 'Freiburg stimmt ein', das ist ein großer Schritt in die Breite!

Die bevorstehenden Wahlen und der neue OB haben eine politische Energie frei gesetzt, in der viel möglich ist. Dafür müssen jedoch auch Grundsätze und neue Leitideen aufgestellt werden. Grundsätze einer städtischen Politik, die eine nachhaltige Stadtentwicklung nicht nur von der Ökologischen Seite her betrachten, wie bisher, sondern auch von der kulturellen und künstlerischen. Es ist eine Kulturpolitik gefragt, die flexibel und offen auf neue Strömungen, Entwicklungen und Ansätze reagiert, aber nicht nur reagiert, sondern auch diese initiiert. Nur so sind wir für die Zukunft gewappnet, können wir zukünftige Stadtteile planen und die neuen Lebensräume gestalten. Gestaltung, meine Damen und Herren, das wird immer wichtiger, Freiräume in der Planung und Freiräume im Kopf.  

Unter den 10 besten freien Theater und Tanzproduktionen aus Baden Württemberg sind dieses Jahr drei freie Produktionen aus Freiburg. Dieses war nicht immer so. Das sind die Erfolge einer systematischen Aufbauarbeit der freien Tanzszene mit dem Tanzpakt und einer guten Förderpolitik in Tanz und Theater durch das Kulturamt. Freie Theater bilden somit eine zweite unverzichtbare Säule der kreativen Darstellenden Kunst in der Stadt.

Die Künstlerschaft braucht Ateliers, Residenzen und offene Räume, die vor allem der jungen Szene die Möglichkeit zur kreativen Darstellung bieten. Da hoffen wir noch auf ihre Unterstützung beim Kunstkonzept und beim T66. Aber auch die GEDOK als Zusammenschluss der weiblichen Künstlerschaft sollten wir mit einem kleinen Betrag im 100ten Jahr des Frauenwahlrechts institutionell  fördern.  Kunst muss in den Alltag integriert werden, sie muss Bestandteil der Stadtentwicklung werden. Die Stadt soll ein Förderprogramm entwickeln für Kunst im öffentlichen Raum, deshalb ziehen wir auch unseren Antrag über einen Wettbewerb für ein  Kunstwerk an der Kronenbrücke zurück. Dazu wird die Kunstkommission sicher eine Diskussion entfachen, die wir ja auch jetzt endlich mit einem kleinen Etat und einer Geschäftsführung ausgestattet haben.

Der Rückkauf des Rotteckhauses und die Erhaltung des Hauses zum Herzog sind wichtige Etappen einer neuen politischen Haltung und leiten, so hoffen wir, eine Ära der qualitätsvollen Stadtentwicklung ein, in der nicht alle frei werdenden Objekte  nach Vermarktungsstrategien beurteilt werden, sondern Inhalte, Zusammenhänge und Tradition eine größere Rolle einnehmen. Die Architekten haben jüngst in einer Veranstaltung die Forderung aufgestellt, dass die Stadtentwicklung mehr wieder auch Stadtplanung heißen soll und nicht nur von handelnden Ämtern vollstreckt wird. Unser Antrag für die Planung der Stadthalle findet sich in der dritten Lesung nicht wieder, doch unsere klare Meinung ist, dass die Stadthalle kulturell genutzt werden soll. Es wird dann die  Aufgabe für den neuen Gemeinderat sein, die genaue kulturelle Verwendung zu bestimmen und dann die Umsetzung zu beschließen.

Eine Welt, in der Natur und Kultur dauerhaft miteinander auskommen, ist die Voraussetzung für ein gutes nachhaltiges Leben. Soziale Integration, gesellschaftliche Diskurse und und Stärkung der Demokratie können aus kulturellen Einrichtungen und durch künstlerische Interventionen heraus entstehen oder durch sie gefördert werden. Und deshalb, meine Damen und Herren, sollten wir eine gute und qualitätsvolle Kultur- und Kunstszene auch weiter stärken.

Atai Keller

Es gilt das gesprochen Wort