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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 15.12.2018

Hendrijk Guzzoni zu nachhaltige Siedlungsentwicklung

Redemanuskript Hendrijk Guzzoni

Aktivierung von stadteigenen Grundstücken  &
nachhaltige Siedlungsentwicklung & Fortschreibung der Zeitstufen

Freiburg wächst – aber wie lange noch ?

Soll Freiburg weiter wachsen – und wie lange noch?

Der Flächenbedarf pro Person wächst – muss das sein ?

Es geht nicht nur um Szenarien und Zukunftsprognosen,
es geht auch um Steuerung

Frau Köhler im Bauausschuss:
„wer Bauflächen sät, wird Bevölkerung ernten“

Das ist richtig. Für attraktive Städte gilt, dass wenn Zuzugspotential vorhanden ist, dieses dann realisiert wird, wenn Wohnbauflächen auch vorhanden sind.

Doch wieviel Bevölkerung wollen wir ernten?
Diese Grundüberlegung sollte einer Diskussion um Flächenausweisung voran gehen als einer von mehreren Parametern, die es einzubeziehen gilt.
Versorgung der Bevölkerung mit ausreichendem Wohnraum,
bezahlbarer Wohnraum durch ausreichendes Angebot,
eine Kosten-Nutzen-Relation für die unterschiedlichen Bauvorhaben,
Sicherung und Auslastung bestehender Infrastrukturen in den Stadtteilen
sind einige der anderen zu bedenkenden Stellschrauben.

Deshalb ist es richtig, wenn die Grünen eine Auflistung von Flächen, die für Wohnbebauung geeingnet sind auch nach den Eigentumsverhältnissen und nach der Eignung für die unterschiedlichen Wohnbauformen (z.B. Reihenhäuser, z.B. Geschosswohnbau für geförderten Mietwohnungsbau etc.) fordern.
Und deshalb ist es richtig und wichtig, dass wir von der Verwaltung eine kleinflächige Untersuchng mit Entwicklungsszenarien für einzelne Stadtteile zur Verfügung gestellt bekommen haben.
Dies ist ein Beispiel für wirklich qualifizierte Planung.

Aber warum eigentlich findet nicht vor der Detail-Debatte im Bauausschuss
eine Diskussion über die eingangs erwähnten Leitfragen im Stadtentwicklungsausschuss statt?
Und es ist auch nicht zielführend, den stetig und ewig wachsenden Pro-Kopf-Flächenverbrauch einfach als gottgegeben und unveränderlich hinzunehmen.
Ein wesentlicher Faktor, nämlich die Zunahme der Single-Haushalte ist bereits oder demnächst hinfällig, der Anteile an Single-Haushalten ist bereits so hoch, dass er nicht mehr wesentlich weiter wachsen wird.
Die Architektur, die Flexibilität von Grundrissen, die Gestaltung des öffentlichen Raumes könnten Faktoren sein, mit denen sich der Pro-Kopf-Flächenverbrauch durchaus steuern lässt...
Es gibt Symposien und Fachgespräch zu allen möglichen – und einigen unmöglichen Themen. Warum gibt es in Green City keine Überlegungen, an dieser Stellschraube zu drehen, um den Flächenverbrauch einzudämmen? Gibt es Kontakte zu anderen Städten, die mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind? Hier wäre ein Austausch im Interesse der Ökologie äußerst hilfreich...
Ohne auf alle in der Vorlage dargestellten Flächenpotenziale einzugehen, ein Wort zum Breisacher Hof. Die Absprache, die in einem Fraktionsgespräch mit dem Ersten Bürgermeister getroffen wurde und die auch so mit den BewohnerInnen des Breisacher Hofs getroffen wurde, war, dass ein Haus abgerissen wird und durch ein neues energetisch auf neuem Stand befindliches ersetzt. Diese Maßnahme soll in etwa warmmieten-neutral erfolgen. Danach wird über etwaige weitere Maßnahmen (Abriss und Ersatz weiterer Häuser, Nachverdichtung...) beraten. Eine Planung von zwei Punkthäusern im Innenbereich widerspricht dieser Absprache und trägt nicht zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit der Verwaltungsspitze bei.
Zum anderen verbietet sich eine Nachverdichtung im Innenbereich des Breisacher Hofs auch aus fachlichern Gründen. In der Vorlage ….... ist von einem eklatanten Minus an Grünflächen im Stadtviertel Mosswald-Ost. Nun kommt einiges an Neu-Bebauung hinzu, u.a. das extrem verdichtete Areal der „West-Arkaden“, wo schon Kinderspielplätze auf die Dächer müssen, weil keine Freiflächen vorhanden sind. Nein, nicht eine Nachverdichtung im Innenbereich des Breisacher Hofs ist angesagt, sondern eine Öffnung des Breisacher Hofs zu den angrenzenden Wohnquartieren.
Zu unserem Antrag: die Fraktionsgemeinschaft der Unabhängigen Listen stellt fest, dass in ausreichendem Maße Flächen zur Verfügung stehen, um den Bedarf an neuen Wohnungen (und auch an Gewerbe) im nächsten Jahrzehnt zu befriedigen. Wir sind gegen weitere Außenentwicklungen, Freiburg darf in der Fläche nicht so weiter wachsen wie in den letzten Jahrzehnten.
Und: die Unabhängigen Listen sind der Auffassung, dass aus ökologischen, aus stadtplenerischen und Landschaftsschutz-Gründen die hanglagen Freiburgs nicht, bzw. nicht noch weiter bebaut werden dürfen (im OB-Wahlkampf 2002 vertrat auch der Amtsinhaber noch diese Auffassung).
Deswegen hat unsere Fraktionsgemeinschaft vor 5 Jahren gegen die Ausweisung der Flächen Höhe und östl. Merzhauser Str. Nord gestimmt. Wir beantragen heute konsequenterweise die Herausnahme dieser Flächen aus der Zeitstufe I.
Ein letzter Gedanke: „Nachverdichtung“ oder „Innenentwicklung“ wie es heute moderner heißt, wird oft durch Abriss bestehender Gebäude und Neubau erreicht.
Hierzu ist festzustellen, dass sicherlich durch solche Maßnahmen eine (wünschenwert) höhere Auslastung von Flächen erzielt werden kann.
Wenn jedoch die Preise im Neubau in den letzten 8 Jahren um 47% gestiegen sind, wie der Vorsitzende der Heimbau-Genossenschaft kürzlich öffentlich machte, dann wird deutlich, dass Abriss und Neubau die große Gefahr in sich birgt, zu einer massiven Verteuerung des Wohungsbestandes zu führen. Dies ist sozialpolitisch falsch und entspricht nicht den Bedürfnissen der Mieterinnen und Mieter. Die Zahl derjenigen, die auf billigen Wohnraum angewiesen sind, sinkt nicht, sie steigt. Unsere Fraktion wird daher solchen Vorhaben nur dann zustimmen, wenn sie in etwa warmmieten-neutral stattfinden. Und wir möchten Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen auffordern, dies auch zu ihrer Richtschnur für solche Vorhaben zu machen.