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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 17.12.2018

Mai 2005

Sozialverträgliche Studiengebühren gibt es nicht!

Seit mehr als 10 Tagen halten mehrere hundert Studierende, unter 24-stündiger Obhut von 15-20 Polizeibeamten, das Rektorat der Freiburger Universität besetzt. Ihre Forderung ist die Aussetzung der geplanten Einführung von etwa 500 € Studiengebühren pro Semester durch die Universitätsleitung.

Unter der Vermittlung des Eindrucks, Gebühren seien in dieser Zeit so oder so ein Sachzwang und nicht zu umgehen, sollen demnächst an deutschen Universitäten vollendete Tatsachen in puncto Studiengebühren geschaffen werden. Mit fadenscheinigen Argumenten, Arbeiter und Angestellte finanzierten mit ihren Steuern das Studium der Unternehmerkinder, soll mit Hilfe der geplanten Erhebung einer Studiengebühr eine scheinbare Chancengleichheit suggeriert werden. - Wer den Nutzen hat soll auch die Kosten tragen. - Diese populistische Forderung, sowie das immer wieder strapazierte Totschlagargument der leeren Kassen, kaschiert auf zynische Art und Weise den Sachverhalt, dass steuerlich weniger privilegierte Menschen in Relation zu einem steuerlich begünstigten Personenkreis überproportional zur Finanzierung des Gemeinwesens beitragen.

Der Druck, die eigene Ausbildung anteilig mitfinanzieren zu müssen, birgt außerdem die Gefahr, die Studierenden zu einem marktangepaßten und somit meist fremdbestimmten Studieren zu animieren. Das in Deutschland sog. einzige Kapital, die Bildung, leidet unter dieser Anpassung. Es wird künftig schlicht zu teuer sein, am Markt vorbei zu studieren, sofern man keine reichen Eltern hat. Folge wäre, daß empirische Grundlagenforschungen auf der Strecke blieben und ein zukünftiges Studium unter dem Aspekt einer kurzfristigen Verwertbarkeit aus marktwirtschaftlichen Gründen, gewählt werden müsste. Anders im „pisa-erfolgreichen“ Finnland. Hier sind Bildungsgebühren vom Kindergarten bis zum Universitätsabschluss gesetzlich ausgeschlossen. Die ständig wachsende Zahl von Akademikern bestätigen diese Handhabung.

Desweiteren fordern die Freiburger Studierenden eine Demokratisierung ihrer Universität. Sie wollen Bildung freihalten von rein marktwirtschaftlichen Kriterien. Sie Fordern Transparenz, Partizipation und Mitbestimmung, sowie die Wiedereinführung der 1977 unter Filbinger abgeschafften „verfassten Studierendenschaft“ - und zwar bedingungslos. Die Universitätsleitung versucht sie jedoch damit zu ködern, nach Einführung von Studiengebühren wieder mehr politische Mitsprache zu erhalten. Jedoch mit dieser aktiven Studierendenschaft läuft Freiburg nicht Gefahr von angepassten Leisetretern überrannt zu werden.