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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 17.12.2018

Ein Freiburger Trauerspiel

Atai keller

19. Januar 2016 - Amtsblatt - 664

Seit 2007 wurde über das Ratsstüble-Ensemble und seine Zukunft nachgedacht. Dafür ist das Ergebnis eine Bankrotterklärung Freiburger Baugeschichte und ein Desaster für eine transparente Bauplanung zwischen Privateigentümern, der Stadt und der breit interessierten Freiburger Öffentlichkeit. Das prominent gelegene Ratsstüble ist Geschichte und wird aus wirtschaftlichen Gründen(!) auch nicht wieder in den glatten Neubau integriert. Die Abrissgenehmigung für das Ensemble wurde am Morgen nach der Bürgerinformationsveranstaltung erteilt. Es ist eine Frage des Geldes, ob ein solches Ensemble erhalten werden kann oder nicht. Warum ist bis heute kein zweites Gutachten erstellt worden über die Sanierungsfähigkeit der Bausubstanz? Der Spezialist für historische Bauten – Willi Sutter – steht bereit, bekommt aber keinen Zutritt zu den Gebäuden. Die Würfel waren längst gefallen, ein zusätzlicher Hauskauf der Eigentümerin in der Rathausgasse zeugt von langfristiger Bau- und Abrissplanung. Der Leerstand seit 2011 hat die Verrottung vorangetrieben.

Die Denkmalpflege ist zahnlos, und nach ihrer Argumentation ist das Freiburger Münster auch kein Baudenkmal, weil verschiedene Stile ineinandergreifen. „Pfusch über die Jahrhunderte“, so der leitende Architekt, aber mit diesem Argument müssten viele Häuser in der Altstadt fallen. So nehmen wir Abschied von einem ehrwürdigen Gebäude mit viel Geschichte und noch mehr Geschichten, nicht einmal eine Ratssitzung war dem Baudezernat das Ratsstüble noch wert, „Geschäft der laufenden Verwaltung“, heißt es lapidar. Gemeinderat und Verwaltung sind jedoch verpflichtet, die historische Substanz der Altstadt zu schützen.
Da muss sich einiges erheblich ändern!

Atai Keller