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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 16.09.2019
Buchtitel

WACHGEKÜSST - Neue Aufgaben der Kulturpolitik

„ Wachgeküsst“ so lautet die Überschrift des jüngst erschienenen Berichts des Deutschen Kulturrats 
über die letzten 20 Jahre Bundesdeutscher Kulturpolitik und ihre Neuerungen. „Dialog – 
Kulturpolitik für die Zukunft“ heißt eine Reihe der Landesregierung, in der die Herausforderungen 
der nächsten Jahre an die Kulturpolitik ausgelotet werden sollen. Digitale Welten, neue 
gesellschaftliche Bündnisse, Strategien der  Transformation und Kunst und Kultur im ländlichen 
Raum waren in der ersten Runde im Juni in Stuttgart die 4 Themenforen.
Eine Beschäftigung mit Kulturpolitik ist also momentan angesagt und das aus gutem Grund. Bei 
dem Erstarken der AFD und rechtspopulistischer Kreise fällt der der Kulturpolitik eine besondere 
Aufgabe zu. Die Kunst hat das Potential, Menschen zusammenzubringen und gesellschaftliche 
Teilhabe zu schaffen. Dadurch entsteht Identifikation. Der Kultur kommt daher eine zentrale Rolle 
für die Stärkung und Entwicklung einer aufgeklärten, offenen Gesellschaft zu. Kulturorte sollen 
verstärkt Orte des Diskurses und des öffentlichen Gesprächs sein. Die Fördermittel für Flüchtlings- 
und Integrationsprojekte müssen erhöht werden. Das von einem breiten Bündnis geforderte 
Dokumentationszentrum über die Schreckenszeit der Naziherrschaft in Freiburg mit aktuellem 
Bezug als Lern- und Erinnerungsort könnte mit Hilfe des neuen Oberbürgermeisters endlich 
umgesetzt werden.
Nicht weniger Geld muss in die Kultur fließen, sondern mehr! Um ein paar Beispiele zu nennen:
Ein Probe-Musikhaus auf dem Güterbahngelände ist die Voraussetzung für eine gut auskommende 
Musiker/innenszene, deren musikalisches Wirken sich dann wieder innovativ auf die Clubszene 
auswirkt. Ein Kunstquartier im südlichen Stühlinger zwischen dem Theater der Immoralisten im 
Gewerbehof, über das E-Werk bis zur Fritz'Galerie/Kunstraum auf der anderen Seite der Dreisam 
am Bahnweg bietet den räumlichen  Zusammenhalt verschiedener Kunstsparten, die im Dialog neue
Wege gehen könnten. Gezielte Förderung junger Künstler/innen durch Atelierräume und 
Wettbewerbe könnten die junge Kunst als eigene Kraft in der Stadt verankern. Zusammenschlüsse 
wie `'Freibug stimmt ein' oder 'Mehrklang', 'die Chorstadt Freiburg' oder 'Multicore' sollen gestärkt 
werden, damit das kulturelle Leben in der Stadt neue Formen von Teilhabe und künstlerischem 
Austausch erfährt. Kreativ-Areale wie die Lokhalle oder die Vereinigung der Kreativpioniere 
müssen stärker in die Stadt wirken können. Und schließlich: Eine jährliche Dynamisierung von 
1,5% - 2% sämtlicher institutioneller Kulturzuschüsse ist die effektive und angemessene Stärkung 
der Kulturlandschaft, nicht aufgeteilt in Personalkosten, sondern als jährliche Investition in die 
Zukunft der Stadtgesellschaft. 
(Atai Keller)