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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 14.12.2018

WACHGEKÜSST - Neue Aufgaben der Kulturpolitik

Buchtitel

Amtsblatt Nr. 730 - 25. Oktober 2018

„ Wachgeküsst“ so lautet die Überschrift des jüngst erschienenen Berichts des Deutschen Kulturrats 
über die letzten 20 Jahre Bundesdeutscher Kulturpolitik und ihre Neuerungen. „Dialog – 
Kulturpolitik für die Zukunft“ heißt eine Reihe der Landesregierung, in der die Herausforderungen 
der nächsten Jahre an die Kulturpolitik ausgelotet werden sollen. Digitale Welten, neue 
gesellschaftliche Bündnisse, Strategien der  Transformation und Kunst und Kultur im ländlichen 
Raum waren in der ersten Runde im Juni in Stuttgart die 4 Themenforen.
Eine Beschäftigung mit Kulturpolitik ist also momentan angesagt und das aus gutem Grund. Bei 
dem Erstarken der AFD und rechtspopulistischer Kreise fällt der der Kulturpolitik eine besondere 
Aufgabe zu. Die Kunst hat das Potential, Menschen zusammenzubringen und gesellschaftliche 
Teilhabe zu schaffen. Dadurch entsteht Identifikation. Der Kultur kommt daher eine zentrale Rolle 
für die Stärkung und Entwicklung einer aufgeklärten, offenen Gesellschaft zu. Kulturorte sollen 
verstärkt Orte des Diskurses und des öffentlichen Gesprächs sein. Die Fördermittel für Flüchtlings- 
und Integrationsprojekte müssen erhöht werden. Das von einem breiten Bündnis geforderte 
Dokumentationszentrum über die Schreckenszeit der Naziherrschaft in Freiburg mit aktuellem 
Bezug als Lern- und Erinnerungsort könnte mit Hilfe des neuen Oberbürgermeisters endlich 
umgesetzt werden.
Nicht weniger Geld muss in die Kultur fließen, sondern mehr! Um ein paar Beispiele zu nennen:
Ein Probe-Musikhaus auf dem Güterbahngelände ist die Voraussetzung für eine gut auskommende 
Musiker/innenszene, deren musikalisches Wirken sich dann wieder innovativ auf die Clubszene 
auswirkt. Ein Kunstquartier im südlichen Stühlinger zwischen dem Theater der Immoralisten im 
Gewerbehof, über das E-Werk bis zur Fritz'Galerie/Kunstraum auf der anderen Seite der Dreisam 
am Bahnweg bietet den räumlichen  Zusammenhalt verschiedener Kunstsparten, die im Dialog neue
Wege gehen könnten. Gezielte Förderung junger Künstler/innen durch Atelierräume und 
Wettbewerbe könnten die junge Kunst als eigene Kraft in der Stadt verankern. Zusammenschlüsse 
wie `'Freibug stimmt ein' oder 'Mehrklang', 'die Chorstadt Freiburg' oder 'Multicore' sollen gestärkt 
werden, damit das kulturelle Leben in der Stadt neue Formen von Teilhabe und künstlerischem 
Austausch erfährt. Kreativ-Areale wie die Lokhalle oder die Vereinigung der Kreativpioniere 
müssen stärker in die Stadt wirken können. Und schließlich: Eine jährliche Dynamisierung von 
1,5% - 2% sämtlicher institutioneller Kulturzuschüsse ist die effektive und angemessene Stärkung 
der Kulturlandschaft, nicht aufgeteilt in Personalkosten, sondern als jährliche Investition in die 
Zukunft der Stadtgesellschaft. 
(Atai Keller)


Lothar Schuchmann

Amtsblatt Nr. 729 - 11. Oktober 2018

Jeder Mensch hat das Recht auf ein sicheres Dach über dem Kopf. Die Realität zeigt jedoch, dass Menschenwürde auch hierzulande durchaus angetastet und Menschenrechte missachtet werden – nach neuer Statistik bei 1,2 Millionen wohnungslosen Mitmenschen bundesweit. Mit Slogans wie "Flexibilisieren - Deregulieren - Privatisieren!" werden politisch beförderter Sozialabbau, Erwerbslosigkeit, Einkommensarmut (Agenda 2010) und rasant steigende Mieten  als bedauerlich, aber leider unvermeidbar dargestellt.

Nach den  Erkenntnissen der Münchner SEEWOLF-Studie,  einer lesenswerten Untersuchung, erlebten viele Wohnungslose bereits in ihrer Kindheit Armut, zerrüttete Lebenssituationen, emotionale Kälte, Schulabbruch, Sucht und anderes. Frühe Hilfen, Frühförderung und zudem besondere Unterstützung der stark gefährdeten 18 bis 21-jährigen Jugendlichen erfordern gezielte präventive Maßnahmen. ( s. Projekt „ Isar Up“)

Katastrophaler Wohnungsmarkt in Freiburg
Angesichts des katastrophalen Freiburger Wohnungsmarktes ist es nicht verwunderlich, dass Wohnungslose 12 Monate oder länger – oft trotz Erwerbsarbeit - in Notunterkünften bleiben müssen. Die Lage der Wohnungslosen in unserer Stadt hat sich in den letzten 4 Jahren dank der Initiative der Wohnungslosenhilfe, des Präventions-Teams und auch durch Zusammenwirken von Stadtbau und Job Center leicht verbessert. Oft genug konnte mit zugehender Sozialarbeit noch rechtzeitig eine Zwangsräumung aufgrund von Mietschulden verhindert werden. Trotz alledem: 2017 waren in Freiburg etwa 2800 Menschen nachweislich und 1800 unmittelbar von Obdachlosigkeit bedroht. Etwa 80 Menschen leben im Jahresdurchschnitt tatsächlich auf
der Straße.

Wohnungslose Menschen
Neben der Notübernachtung in der OASE entstanden parallel zur Flüchtlingsunterbringung zusätzlich mehr Unterkünfte und Heime, auch für chronisch kranke und pflegebedürftige wohnungslose Menschen. Dennoch sind deutlich mehr Maßnahmen und entsprechende Finanzmittel nötig, um Langzeitobdachlosen zu helfen und sie zu re-integrieren. Vor allem ihre gesundheitliche Versorgung liegt noch im Argen und  die Förderung ihrer gesellschaftlichen Teilhabe. Dazu braucht es ähnlich dem Sozialticket ermäßigte Angebote in vielen Bereichen.

50 % Quote im Mietwohnungsbau
Weitere wichtige Bausteine sind die geplanten neuen Gemeinschaftsunterkünfte in der Bötzinger Straße und für wohnungslose Frauen und junge Menschen am Schlossbergring. Dennoch:  Sie sind kein Ersatz für ein selbstbestimmtes Leben und Wohnen. Dafür muss endlich flächendeckend die 50 % Quote im Mietwohnungsbau umgesetzt werden - für Familien wie für Alleinstehende. Ohne bezahlbare Wohnungen wird es in Freiburg keine wirkliche Lösung gegen drohende Armut bis in die Mittelschicht hinein geben.

Lothar Schuchmann und Ulrike Schubert