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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 17.12.2018

Literaturhaus: Wohin geht die Reise?

4. Mai 2012 - Amtsblatt - 575

Freiburg und die Literatur sind eine Erfolgsgeschichte. Seit den späten 8oer Jahren kümmert sich das Literaturforum Südwest um Lesungen, Austauschprojekte und die Förderung von Übersetzungen und Autorenschaften. Das mündete schon vor zwei Jahren in eine Grundsatzentscheidung des Gemeinderats, dem immer größer werdenden Publikum auch einen entsprechenden Rahmen mit neuen Kooperationsmöglichkeiten zu verschaffen. Ein Literaturhaus für Freiburg ist nun in greifbarer Nähe. Das ist dem unermüdlichen und kompetenten Einsatz der Leitung des jetzigen Büros zu verdanken, aber auch dem versierten Vorstand und nicht zuletzt auch dem neu gegründeteten Freundeskreis. Inzwischen sind fünf Angebote auf dem Tisch: Laut Gemeinderatsvorlage für den 22.5. sollen zwei Vorschläge übrig bleiben. Stadtverwaltung, Universitätsleitung und Literaturbüro haben sich bereits auf die Reihenfolge geeinigt. Das Literaturhaus zieht in die universitären Räume der Bibliothek der Fachbereiche Geographie, Hydrologie und Völkerkunde am Werthmannplatz ein. Überhaupt soll dort ein neues geisteswissenschaftliche Zentrum entstehen, allerdings erst 2015/16. So kann die Universität neu in die Stadt wirken und das Literaturbüro erschließt sich neue Kooperationspartnerschaften mit Lehre und Forschung in einem Klima der geisteswissenschaftlichen Bildung. Ob das auch so gelingt, hängt von etlichen Bedingungen ab, die erst noch geschaffen werden müssen: Neubauten am Flugplatz, Umzüge, noch ungesicherte Finanzierungen. Falls dieses nun scheitern sollte, wird der zweite Weg bereits angedacht: Dann kommt das Literaturhaus in die Fabrik in der Habsburgerstraße mit einem aufgestockten Stockwerk. Dort erscheint die räumliche, aber auch die inhaltliche Nähe der Literatur zu Comedie, Kabarett und Musik geradezu ideal, zusätzlich sind die Gaststätte und das aufgeweckte Ambiente eine Ergänzung des gesellschaftlichen Tableaus.

Beide Konzepte sind jedoch konträr. Der Einzug in die Uni bedeutet die Zusammenarbeit mit einer Bildungseinrichtung in zentraler Lage mit allen Vorzügen, aber auch der Gefahr der Vereinnahmung, dazu braucht es einen starken Verein mit einem starken Vorstand, einen kritischen Freundeskreis, klare Verträge und Zuständigkeiten. Die Fabrik weist zwar eher eine Randlage auf, aber es ist die Kooperation mit anderen Sparten und Genres gegeben. Die Ortswahl entscheidet über das Konzept, deswegen ist große Sorgsamkeit geboten bei der Entscheidung! Dass jetzt jüngst die demokratischen Spielregeln verletzt wurden, indem vor der Kulturausschusssitzung schon von OB und Rektor verkündet wurde, wohin die Reise geht, ist sehr bedauerlich und läßt fürchten, dass noch ganz andere Gesichtspunkte bei der Entscheidung für die Uni im Spiel sind. Hoffentlich nützen diese auch der Literatur als Kunstform in der Stadt!

Atai Keller