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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 11.12.2018

Unser Ziel ist eine inklusive Stadt

24. Oktober 2013 - Amtsblatt - 610

Ulrike Schubert
Prof. Lothar Schuchmann

Für die  zahlreichen erwachsenen Freiburger BürgerInnen mit verschiedenen Formen von Behinderungen (25-30 000) ist ihr Lebensalltag immer noch eher Ausdruck von Exklusion als von Inklusion. Es fehlen Arbeitsplätze und barrierefreie Wohnungen, Behindertenparkplätze und behindertengerechte WCs, Rampen und Induktionsanlagen. Stadtverwaltung und Gemeinderat müssen sich dafür deutlich mehr engagieren, denn von einem systematischen stadtweiten Umbau für Barrierefreiheit sind wir noch weit entfernt.

Auf interfraktionellen Antrag beschäftigt sich der Gemeinderat derzeit in verschiedenen Ausschüssen mit der Planung und Entwicklung einer „Gesamtstrategie zur Umsetzung der Inklusion in Freiburg“ und wird sie wohl in der Gemeinderatssitzung am 12. November 2013 so beschließen. Dies lässt hoffen. Dennoch sind Zweifel angebracht, denn Inklusion braucht nicht nur guten Willen, sondern auch entsprechende finanzielle Ressourcen und daran fehlt es allenthalben. Das stellen gerade auch die BürgerInnen immer wieder fest, die sich schon seit vielen Jahren als ExpertInnen in eigener Sache höchst kompetent im Beirat für Menschen mit Behinderungen engagieren. Sie haben zahlreiche Handlungsempfehlungen erarbeitet, wie die Teilhabe aller Menschen beim Bauen und Wohnen, bei der Mobilität, der Bildung, Kultur und Erwerbsarbeit verbessert werden kann.

Auch engagierte Eltern behinderter Kinder, fortschrittliche Grundschul-PädagogInnen und untere Schulbehörden haben in den vergangenen beiden Jahrzehnten wiederholt versucht, Kinder mit Handicaps inklusiv ( includere = mit einbeziehen, einschließen) einzuschulen. Das jeweilige baden-württember-gische Kultusministerium lehnte solche Versuche stets und mit oft nicht nachvollziehbaren Begründungen kategorisch ab; die UN-Behindertenrechts-Konvention (2006) trat in Deutschland erst 2009 in Kraft. Rechtliche Verankerungen allein verändern aber Haltung, Denken und Handeln oft nur wenig. Inklusion verlangt auch heute von seinen ProtagonistInnen viel Mut angesichts des gegenläufigen Mainstreams von früh beginnender oft angstbesetzter bedingungsloser Leistungsorientierung und knallhartem Wettbewerb. Nicht gemeinsames, kooperatives Lernen, Vertrauen und Beziehung, sondern Selektion von früher Kindheit an, sind Forderungen und Ziele neoliberaler Ideologie. Als Pionier-Einrichtung in Freiburg hat sich die Anne Frank-Schule unter Schulleiter Wolfgang Küchler allen Widerständen zum Trotz schon früh auf den Weg zu einer inklusiven Schule gemacht. Und dies mit großem Erfolg!

Freiburg insgesamt hat noch einen weiten Weg vor sich......

Ulrike Schubert + Prof. Lothar Schuchmann