Loading ...
www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 17.12.2018

Hilferuf aus Landwasser

8. August 2012 - Amtsblatt - 582

Sicher, die Stadtbahn fährt auch nach Landwasser, aber ansonsten ist der Stadtteil kommunalpolitisch vernachlässigt. Wie anders wäre es sonst zu erklären, dass sich die Wohn- und Lebensverhältnisse in den Hochhäusern Auwaldstraße 96 bis 104, aber auch in den Gagfah-Blöcken wie in einer „Bananen-Republik“ entwickeln konnten. Was dabei herauskommt, wenn Wohnungen zu reinen Spekulations-objekten werden, wurde in der Bürger/innenversammlung vergangener Woche in Landwasser öffentlich: herabfallende Betonteile von den Außenwänden, zerstörte  Eingangstüren und kaputte oder undichte Fenster, Schimmel in den Wohnungen, ganze Winter lang defekte Heizungen, Wassereinbrüche, schäbige Treppenhäuser, demontierte Spielplätze und eine verwahrloste Umgebung voller Ratten etc etc. Und wo die Verwahrlosung so fortschreitet, sind Müll, Chaos und mangelnde Sicherheit die Folgen.
 
Kurz: menschenunwürdige Lebensbedingungen, die 1995 ihren Anfang nahmen mit dem Verkauf der Siedlung durch die Volksfürsorge an ein Investmentunternehmen. So schnell wie die Weiterverkäufe im Lauf der letzten 15 Jahre vonstatten gingen, konnten die Mieter/innen gar nicht  schauen und ihre Reklamationen ob der Zustände liefen regelmäßig ins Leere, weil schon wieder ein neuer Besitzer / Spekulant von nichts wissen konnte oder wollte. Schließlich sollen Wohnungen als Anlage-vermögen optimalen Profit bringen und Investitionen vermieden werden. Schier unendlich war die Leidensfähigkeit der Bewohner /innen - jahrelang versuchte jede/r für sich, meist erfolglos, Mieterrechte durchzusetzen. Nun endlich gibt es Ansätze sich gemeinsam zu wehren und die Stadtverwaltung und den Gemeinderat in die Pflicht zu nehmen. Denn auch das EKZ gehört zu diesen Spekulationsobjekten und ist in keinem besseren Zustand. Die Folge, Arztpraxen und Polizei ziehen aus, die
Nahversorgung ist akut gefährdet.
 
Unsere Fraktion ist der Überzeugung, dass die Stadt gemäß § 177 BauGesetzbuch handeln und der TAG Investment, derzeitiger Besitzer, ein Instandsetzungsgebot auferlegen muss. Des weiteren haben wir uns an das Gesundheitsamt gewandt wegen der gesundheitlichen Folgen der Rattenplage und an das Bauordnungsamt, sich darum zu kümmern, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Spielplätze instand gesetzt werden. Ganz unerklärlich ist uns, warum die dortigen Ortsvereine der Parteien die Probleme der Landwasser Bevölkerung so lange ignoriert haben. Hinzu kommt, dass es in Landwasser im Gegensatz zu Weingarten nie eine Quartiersarbeit gab, die das Gemeinwesen und Mieterinteressen unterstützt hätte. Auch dies ist eine Erklärung dafür, dass die MieterInnen so lange hilflos waren und sich nun erst öffentlich wehren. Wir finden, Quartiersarbeit ist auch hier nicht länger verzichtbar.

Irene Vogel