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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 11.12.2018

Familienpolitik ist kein Ersatz für Frauenpolitik

20. Oktober 2011 - Amtsblatt - 562 -

Die letzte Woche stattgefundene Frauenkonferenz bot für die Freiburgerinnen Gelegenheit, eine Standortbestimmung vorzunehmen: als Frau in dieser Stadt und in der Gesellschaft. In zahlreichen Workshops ging es darum, was Frauen hemmt, was sie bewegt und was sie bewegen wollen. Die Diskussionsergebnisse werden Grundlage eines kommunalen Handlungsprogramms für die nächsten Jahre sein.

So war Thema Nr. 1 – wen wundert’s – die fehlende Gleichstellung der Frauen im Beruf. Teilzeitbeschäftigung, überwiegend ein weibliches Phänomen, geht einher mit beruflichem Statusverlust, mangelnder Anerkennung und geringen Aufstiegschancen und schnell wurde deutlich, dass Familienpolitik allein keine geschlechtsspezifische  Frauen-Politik ersetzen kann, auch wenn das (auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene) im Trend liegt.

Ob und wie ein bedingungsloses Grundeinkommen Frauen in ihren spezifischen Lebenslagen stärken würde, war ebenso Thema wie die lebenslangen Auswirkungen sexualisierter Gewalterfahrungen auf weibliche Biographien. Gut, dass es die örtlichen Beratungs- und Hilfeangebote gibt, die in den 80er und 90er Jahren erkämpft und eingerichtet wurden. Insbesondere „Wildwasser“ und „Wendepunkt“, die Opfer sexuellen Missbrauchs unterstützen, sind jedoch unterfinanziert, obwohl sie sich – seitdem die immense Anzahl von Missbrauchsfällen in der Kirche öffentlich wurde und das frühere Tabuthema einer Sensibilisierung gewichen ist – vor Arbeit kaum retten können. Um die Gesundheit der Frauen unter verschiedenen Lebensbedingungen und deren kommunale Folgen und Bedarfe ging es im Workshop der Unabhängigen Frauen und zahlreicher Kooperationspartnerinnen.

Besonders erfreulich war, dass an der Konferenz erstmals viele Migrantinnen teilnahmen und somit nicht über sie, sondern mit ihnen diskutiert wurde – ein deutliches Zeichen, dass wir in der Realität der Einwanderungsgesellschaft endlich angekommen sind. Dass hingegen Mädchen und sehr junge Frauen wenig präsent waren, wundert kaum, denn bekanntermaßen wachsen die ganz alltäglichen Schwierigkeiten erst dann, wenn es heißt Beruf, Partnerschaft, Familie und gar Elternpflege in Einklang zu bringen, also in der Regel für erwachsene Frauen. Für das Angehen dieser Problemlagen braucht es allerdings eine Frauen- und Männerkonferenz.

Irene Vogel, Stadträtin der Unabhängigen Frauen