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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 17.12.2018

Wirkungsstätte Reinhold Schneiders muss erhalten bleiben!

4. Juli 2014 - Amtsblatt - 627

„Die Wahrheit nur wird an die Herzen dringen / und wirken wird das Wort nur das gelebt“, so steht es auf der Tafel, die an der Außenmauer des Hauses Mercystrasse 2 eingelassen wurde, in dem Reinhold Schneider 20 Jahre von 1938 bis 1958  gelebt und gearbeitet hat. Während sich diese Worte einbeißen in die Wand, erleben wir in diesen Tagen eine vielseitige Diskussion über Reinhold Schneider als internationalen Literaten und kritischer Beobachter, der in der NS-Zeit unerwünscht war. Wir erleben aber auch die späte Aufarbeitung eines unrühmlichen Vorgangs der Freiburger Baugeschichte. Und dabei hat die Bauverwaltung vielleicht das Allerschlimmste verhindert. Aber das reicht eben nicht. Seit 2009 stehen Haus, Gartenhaus und Park unter Denkmalschutz. Der damalige Regierungspräsident Julian Württenberger  erklärt in einer  Pressemitteilung dazu, „Dass wir das Anwesen Mercystraße 2 als Kulturdenkmal einstufen konnten, ist ein weiterer Schritt, das geschichtliche Erbe unserer Vorfahren nachhaltig zu bewahren.“  Ganze fünf Jahre später ist das Anwesen zerstückelt, an eine Immobilienfirma verkauft, und das Wohnhaus wird höchstpreisig auf dem freien Markt angeboten. Die Baugenehmigung wird wohl bald erteilt werden. Bauen in Freiburg  erweist sich wieder einmal als seelenlos. Kultur und Bauen sind nicht personell verzahnt. Aber auch die Gemeinderäte sind weit davon entfernt, das  Reinhold Schneider Areal als Gedenk- oder Erinnerungsstätte in Erwägung zu ziehen. Der eigentliche Skandal aber ist das Verhalten der oberen Denkmalbehörde, die in unverantwortlicher Weise den Bauantrag begleitet hat und nach und nach den Denkmalschutz reduzierte und einen weiteren Neubau direkt neben dem Reinhold Schneider Haus zuließ. Eine ablehnende Haltung gegenüber dem Bauantrag hätte hier einiges bewirkt! Ein Skandal ist auch die fehlende Öffentlichkeit über dieses Bauvorhaben, über das seit 2008 Bauträgergesellschaften mit der Stadt verhandeln und es sogar einen Aufstellungbeschluss 2012 gab. Nachhaltigkeit auf dem Feld der Kultur ist für die Stadt ein Fremdwort. Die späten Anstrengungen für den Erhalt und die kulturelle Verwendung des Reinhold Schneider Hauses haben jetzt vehement an Fahrt gewonnen, die Reinhold Schneider Preisträger/innen formieren sich, vielfältige Unterstützung und Transparenz sind nötig!


Atai Keller