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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 11.12.2018

EU-Charta zur Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene

10. Oktober 2012 - Amtsblatt - 585

Mit unserer Veranstaltung im Juni 2012 haben wir Unabhängigen Frauen und die UL den Anstoß dazu geben, dass der Gemeinderat in der kommenden Woche die Unterzeichnung der EU-Charta beschließen wird.
 
Was versprechen wir uns davon?
Unbestritten ist die Gleichstellung von Frauen und Männern ein Grundrecht und ein demokratischer Grundwert. Trotz vielfältiger rechtlicher und formaler Anerkennung haben die Geschlechter aber in der Praxis nicht dieselben Rechte. Überall da, wo veraltete Rollenbilder von Mann- und Frau-Sein die Gleichstellung behindern, kann gerade Stadtpolitik diese im Alltag der Bürgerinnen und Bürger am konkretesten fördern, da sie ihnen am nächsten ist. Mit politischen Maßnahmen kann die Stadt Ungleichheiten beseitigen und Diskriminierung verhindern. Freiburg tut dies auch seit etlichen Jahren gezielt - sei es in der Bildung, Kultur, im Sport oder Sozialem, in der Familie wie der Arbeitswelt. Da werden z.B. Spielplätze und Angebote in Jugendzentren für die unterschiedlichen Bedürfnisse von Mädchen und Buben gestaltet, Beratungsstellen für frauenspezifische Anliegen gefördert, Stadt- und Verkehrsplanung „geschlechtergerecht“ angegangen oder Betriebe ermutigt, familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu schaffen. Ein zähes Geschäft, darum merkt kaum Jemand einen Wandel. Es sind Bausteine, die zur faktischen Gleich-stellung führen sollen, sie vollziehen sich aber zu langsam und für die Bürgerschaft relativ unbewusst. Die gesellschaftliche Diskussion und ein gesamtstädtischer Konsens fehlt. Dies muss sich mit der Unterzeichnung der Charta ändern. Im Zwei-Jahres-Rhythmus sollen konkrete Aktionspläne aufgestellt und danach die Ziele verifiziert werden. Dazu muss eine Vielzahl von Meinungen aus der Bürgerschaft, lokaler Organisationen und der Wirtschaft, also unterschiedlichster Akteur/innen eingeholt werden.

Wir erhoffen uns also zunehmend breitere Debatten darüber, wie in allen Bereichen strukturelle Hindernisse für die Gleichstellung aus dem Weg geräumt werden können und die Stadtgesellschaft sowohl für subtile wie gravierende Ungleichheiten sensibilisiert wird. Solch ein kultureller Wandel könnte - ganz bescheiden - dazu führen, dass endlich der Gebrauch geschlechtsspezifischer Sprache für Alle selbstverständlich wird, aber auch dass z.B. städtische Ausgaben nach Verteilungs-gerechtigkeit hinterfragt werden. Ob sich allerdings die eklatante Rollenverteilung von Frauen und Männern in der Erwerbs- und Familienarbeit und deren ungerechte Bezahlung vor Ort lösen lässt, ist zu bezweifeln.

Irene Vogel