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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 17.12.2018

November 2005

Wall-Klo und anderes Walliges

Der Freiburger Künstler Richard Schindler hat soeben eine interessante Studie über die Ästhetik von Windrädern in ihrer Landschaft herausgebracht. Eine solche Studie zur Aufstellung von Werbetafeln in der Stadt wird es sicher nie geben. Sie hätte es aber vor der Aufstellung geben müssen. Zumindest eine Veröffentlichung der Standorte und eine Einbeziehung der Freiburger Bürgerschaft und des Gemeinderats in die Entscheidung. Letzterer hat in dieser Frage versagt - das ist durchaus selbstkritisch gemeint -, denn der Gemeinderat hätte sich stärker um die Standorte kümmern müssen. Die Entscheidung über 250 Standorte speziell auch in der Innenstadt, hätte im Bauausschuss, aber auch im Kulturausschuss diskutiert werden müssen. Für einige Standorte gibt es nicht einmal eine Baugenehmigung. Stattdessen hat der zuständige Baubürgermeister auf eine Anfrage der Kulturliste am 3.1.2005 zu einer möglichen Beteiligung der Freiburger Bürgerschaft nur die lapidare Antwort parat, dieses sei jetzt Geschäft der laufenden Verwaltung. Was kümmert diesen Bürgermeister eigentlich noch? Seine Amtszeit endet doch definitiv erst im Januar 2007!
Jetzt ist die Empörung groß, viele Standorte dieser so genannten Stadtmöblierung sind umstritten, manche sind störend, weil zu nah, manche sind geschmacklos, weil unpassend, manche verwirrend, weil im Verkehr irritierend, insgesamt zu viele, Werbung bestimmt die Stadt, die Stadt verändert ihr Stadtbild, Freiburg wird gesichtslos, wird einheitlich durch bundesweite Werbeträger. Freiburgs ‚Potsdamer Platz’ heißt ‚Platz der alten Synagoge’ und falls die Firma Wall das noch nicht gemerkt hat,  Freiburg hat keine U-Bahn! Die Firma Wall schreibt in ihrer Selbst-Darstellung:“ Jede Stadt dieser Welt hat ihren individuellen Charakter, denn erst die Eigenheiten einer Metropole machen ihren Reiz aus. Deshalb bieten wir den Städten maßgeschneiderte Designkonzepte, die das Bild einer Stadt harmonisch unterstreichen - oder aber bewusst kontrastreiche Akzente setzen.“
Ja, diesen kontrastreichen Akzent hat die Firma Wall jetzt in Freiburg gesetzt, indem sie unmittelbar neben dem Mahnmahl an die deportierten Juden nach Gurs ein öffentliches Klohaus erstellt hat, welches täglich reparaturbedürftig ist, und welches keinen Kontrast, sondern eine Verletzung dieses Denkmals bedeutet.
Da gibt es nur eines: Sofort Entfernen!