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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 17.12.2018

März 2005

Warum braucht die Stelle zu Gleichberechtigung der Frau zwei Personalstellen?

Warum braucht die Stelle zu Gleichberechtigung der Frau zwei Personalstellen?

Junge Frauen lächeln über die feministischen Kämpfe ihrer Großmütter. Wozu brauchen sie eine Stelle zur Gleichberechtigung der Frau? Oder gar zwei? Sie sind schneller als ihre  Mitschüler, schlagfertiger, zeigen bessere Leistungen. Sportlich sind sie auch. Sie sind als Frauen sichtbar, anerkannt und gleichberechtigt.
Warum verzichtet die Stadt nicht gleich auf die Stelle zur Gleichberechtigung der Frau?
Kann sie nicht beherzt auf jeden Fall die zweite Personalstelle einsparen und in eine Gender Mainstraming Stelle verwandeln, die dann dafür sorgt, dass beide Geschlechter im Gleichgewicht bleiben?

Irrtum! Noch können wir uns  nicht zurücklehnen. Gender Maimnstreaming zieht unter seinen Mantel der Marke „top-down“ Gelder, die der Frauenpolitik und autonomen Frauenprojekten abhanden kommen. Strukturen werden zerstört und die Rolle der Frauenbeauftragten wird noch glanzloser als bisher. Frauenpolitik wird landesweit an den Rand gedrängt.
Was aber lesen und hören wir täglich? „Armut ist weiblich“. Statistiken lehren uns, dass Frauen mehr als Männer von  Hartz IV betroffen sind. Die Mehrzahl der Sozialhilfeempfängerinnen ist „jung und weiblich“. Die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ ist nach wie vor ein großes Problem für Frauen. Für sie heißt die Entscheidung immer noch: Kinder oder Karriere.

Auch wenn Frauen im öffentlichen Raum präsenter sind als je zuvor, haben sie nicht gleichberechtigt teil an Ressourcen, Wohlstand und Macht.

1995 in Peking wurde eine Strategie beschlossen, die Gender Mainstreaming genannt wird. Die Frauen sollten von ihrer Opferrolle befreit und  zu gleichberechtigten politischen Personen gemacht werden. Diese Strategie hat aber eine Schleuse geöffnet. Es scheint, als ob die Frauenpolitik in den Strudel des Gender Mainstreaming gezogen wird. Obwohl hinter der Idee des G. M. gute Ansätze stehen, sollte sich die Frauenpolitik aus diesem Strudel  emporstrampeln. Sie muss wieder in eine kollektive Anstrengung eintreten, um sich gemeinsam eine neue Richtung zu geben, sonst wird sie untergehen. Ohne politisches Bewusstsein und – Verzeihung – eine gewisse Radikalität geht das nicht. Für Freiburg heißt das: eine zweite Frauenbeauftragte muss wieder her. Eine Person kann all die Aufgaben nicht allein lösen.

Die Stelle zu Gleichberechtigung der Frau soll eine Ansprachestelle sein und Prozesse initiieren. Die gesellschaftliche Realität von 2005 bringt neue Themen. Es gibt mehr junge Frauen/Mädchen mit Kindern, die Lebensberatung brauchen und Strategien lernen müssen, um ihr Leben organisieren zu können. Der Kontakt zu Schulen muss aktiver angegangen werden: Bildungsmodelle für Mädchen fehlen. Die Stadt tut noch zu wenig für Frauen. Sie hat über die Stelle zur Gleichberechtigung der Frau die Aufgabe, Frauen und Mädchen den Weg zu ebnen in ein selbst bestimmtes Leben. Jeder kennt Mädchen mit Magersucht und Bulimie. Ihnen muss geholfen werden. Mädchen erleben Gewalt, aber parallel dazu nimmt ihre eigene Gewaltbereitschaft auffällig zu. Die Frauenstelle hat die übergeordnete Aufgabe, das Bewusstsein der Frauen zu verändern. Dazu gehört, das Denken zu politisieren und Strukturen  sichtbar zu machen, die Hilfe zur Selbsthilfe anbieten.

Der wichtigste Faktor ist  die Unterstützung von Bürgerinnenbeteiligung. Auch hier müssen von der Stelle Bedingungen geschaffen werden, die es den Bürgerinnen ermöglichen, sich an Entscheidungen zu beteiligen. Ein erster Schritt ist der Aufbau eines Bürgerinnen-Beirates, der die Arbeit der Frauenbeauftragten begleitet.