Stellenabbau bei der Stadt
600 Stellen weniger
OB Salomon begrüßte den neuen Gemeinderat in seiner ersten Sitzung mit
einer Grundsatzrede, die leider ohne die Möglichkeit zur Diskussion
blieb. So wollen wir den letzten Satz dieser Ansprache aufgreifen:
„Aber es gibt auch einen Grundkonsens, nämlich dass man sich
gegenseitig respektiert und andere Meinungen zur Geltung kommen lasst“,
um die Einsparvorschläge des OB für den nächsten Doppelhaushalt in
Frage zu stellen. Kernstück dieser Aussage ist die Ankündigung,
die Zahl der städtischen Personalstellen um 20 % zu kürzen, um „mehr
Leistungen an die Bürgerschaft zur Verfügung“ zu haben.
1. Eine solche Ankündigung ohne eine vorherige
umfassende Prüfung und Bestandsaufnahme der vorhandenen Möglichkeiten
ist zumindest fragwürdig. Zudem wird mit einem solchen Vorgehen eine
höchst problematische Aussage an die persönliche Glaubwürdigkeit des OB
gekoppelt, was eine sachorientierte Arbeit erschwert.
2. Verschwiegen wird, dass seit Jahren an der
städtische Verwaltung herumgespart wird, mit teilweise gravierenden
Folgen für die städtischen Dienstleistungen. Hier wäre eine
kritische Bestandsaufnahme bei allen Ämtern überfällig. Weiterer
Stellenabbau wird eine weitere Verschlechterung der städtischen
Dienstleistungen nach sich ziehen.
3. Verkrustete Strukturen zu überprüfen ist sinnvoll.
Und die gibt es. Damit lassen sich aber auch nicht annähernd 600
Stellen streichen. Dies geht nur, wenn das Konzept der Privatisierung,
z.B. bei den Bädern, massiv vorangetrieben wird und es dann privatem
Kapital überantwortet wird zu entscheiden, was alles geschlossen wird
und wer alles entlassen wird. Neben allen schlimmen Folgen dieser
Politik ein Verlust an demokratischen Einflussmöglichkeiten auf
kommunale Entscheidungen.
4. Eine Politik, die vorgibt, eine Wirtschafts- und
Finanzpolitik zu betreiben, die Arbeitsplätze schafft, und gleichzeitig
in ihrem eigenen Haus fortlaufend Arbeitsplätze vernichtet, führt sich
selbst ad absurdum und schwächt überdies die Not leidende
Binnennachfrage immer weiter.
5. Die Angst um den Arbeitsplatz führt nicht gerade
zu einer Stärkung von Motivation und Kreativität. Der OB sollte deshalb
den städtischen Bediensteten zusichern, dass es auch in Zukunft zu
keinen betriebsbedingten Kündigungen kommen wird.
Wir wünschen uns anstelle derartiger populistischer Vorstöße, die an
weit verbreitete Vorurteile gegenüber öffentlicher Verwaltung
anknüpfen, zunächst verlässliche Eckdaten für den nächsten
Doppelhaushalt. Auf dieser Grundlage wird eine öffentliche Diskussion
zu führen sein, die sowohl die Einnahme- wie die Ausgabenseite der
Stadt umfasst.