Wohnungsverkauf
Stellungnahme der Unabhängigen Listen (UL) zur Sozialcharta, Freiburg, 30.06.06
Die weitgehenden Forderungen der von OB Salomon vorgestellten
Sozialcharta zeigen, wie ernst der OB den Widerstand gegen den Verkauf
der städtischen Wohnungen nehmen muss.
Aber niemand soll sich Sand in die Augen streuen lassen. Eine jetzt
beschlossene Kaufbedingung ist eine Sache, der endgültige Kaufvertrag
eine ganz andere. Man geht selten aus Verhandlungen so raus, wie man in
sie hineingegangen ist. Schon häufig mussten der Gemeinderat und seine
Ausschüsse erleben, daß Investoren nicht bereit waren, Bedingungen des
Gemeinderates zu akzeptieren, weil sie die Verwertung des fraglichen
Objektes erschwert hätten und immer sind Gemeinderatsmehrheit und
Verwaltung letzten Endes eingeknickt. Letzte Beispiele sind die
Bebauung des Messplatzes oder der illegale Steg im Bahnhofsneubau.
Salomons Linie macht die Stadt in hohem Maße erpressbar, wird doch die
gesamte städtische Zukunft an den Verkauf der städtischen Wohnungen
geknüpft. Da Alternativen ganz bewusst nicht entwickelt werden, macht
sich die Stadt abhängig vom Verkauf: es muss dann verkauft werden
und die Bedingungen wird letzten Endes der diktieren, der 500 Mio.€ und
mehr auf den Tisch legt.
Darüber hinaus lässt die Charta auch in unveränderter Form, bei
billigen unter dem Mietspiegel liegenden Wohnungen, Mieterhöhungen von
3% zuzüglich Preissteigerungsrate im Jahr zu, was gerade für die sozial
schwächsten eine große Belastung bedeutet. Sie kann nicht verhindern,
daß der neue Eigentümer Modernisierungen durchführt und danach die
Wohnungen zu teuer für die bisherigen Mieter sind. Er gibt keine
Antwort auf die Frage, wo die vielen sozialen Wohnprojekte, u.a. für
behinderte Menschen, bleiben werden.
Der Wohnungsverkauf ist entgegen allen Beteuerungen des OB nicht zum
Null-Tarif für die Mieter und Mietrinnen zu haben. Sie allein werden
die große Spanne zwischen der jetzigen Rendite und der von jedem
Investor vorausgesetzten von 10% und mehr aufzubringen haben.
i.A, Michael Moos, Fraktionsvorsitzender
Vorschläge der Unabhängigen Listen zu einer dauerhaften Haushaltssanierung
Merkmal einer lösungsorientierten Politik ist es, Probleme dort
anzugehen, wo sie entstehen. Offensichtlich ist, dass die Defizite im
städtischen Haushalt ganz überwiegend darauf beruhen, dass Bund und
Land das Konnexitätsprinzip („wer bestellt, zahlt“) mit Füßen treten
und den Kommunen immer neue Aufgaben zuweisen, ohne ihnen die dafür
notwenigen Finanzmittel zuzuteilen. Die krassesten Beispiele hierfür in
den letzten Jahren waren das Anrecht für jedes Kind ab 3 Jahren auf
einen Kindergartenplatz und die Kosten für Unterbringung für die ALG
II-BezieherInnen. Allein diese beiden Punkte belasten die Stadt
Freiburg mit über 30 Mio.€ jährlich.
Wenn es den Kommunen nicht gelingt, zu gewährleisten, dass sie
dauerhaft eine solide und ausreichende Finanzausstattung zur Erfüllung
ihrer Aufgaben bekommen, werden sich alle KommunalpolitikerInnen wie
ein Hamster im Laufrad bewegen und von einem gestopften Finanzloch zum
nächsten Millionendefizit jagen. Die Linke Liste-Solidarische Stadt
(LiSSt) erwartet von der Stadtverwaltung und allen Parteien ernsthafte
Überlegungen und Initiativen, wie den berechtigten Forderungen des
Deutschen Städtetages Rechnung getragen werden kann. Wenn dies nicht
gelingt, werden alle Maßnahmen auf lokaler Ebene wirkungslos verpuffen.
Aber auch in Freiburg selbst können und müssen kurzfristige
Alternativen zum Salomon´schen Befreiungsschlag gefunden werden.
Seit fast 15 Jahren ist der Gewerbesteuer-Hebesatz in Freiburg
unverändert, eine Erhöhung um 10% von 400 auf 440 Punkte entspricht
einer jährlichen Erhöhung von ca. 0,6% (zum Vergleich: OB Salomon will
die Mieterhöhungen in den verkauften Wohnungen durch eine Sozialcharta
auf 5-5,5% jährlich begrenzen) und würde rund 8 bis 9 Mio. €
Mehreinnahmen im Jahr für den städtischen Haushalt bedeuten. Eine
Erhöhung der Grundsteuer um ebenfalls 10% würde rund 3 Mio. € jährlich
einbringen (die Mehrbelastung für die MieterInnen würde bei ein bis
drei Euro im Monat liegen).
Die Unabhängigen Listen sind weiterhin der Auffassung, dass
angesichts der dramatischen Haushaltslage der Stadt erwartet werden
kann, dass die Sparkasse 25% ihres Gewinns an die Gesellschafter
abführt, was der Stadt Freiburg weitere drei Millionen Euro einbringen
würde. Allein diese Maßnahmen würden Mehreinnahmen von 14-15 Mio. €
bedeuten. Viel mehr würde der Grüne OB mit dem Verkauf der 9.000
Wohnungen auch nicht erzielen.
Den Entlastungen bei Zins und Tilgung ist nämlich einiges gegenzurechnen, so:
- zuallererst die Einnahmen, welche die Stadt über Mieten und Pachten erzielt;
- die Ausgaben für die Kosten für Unterbringung der
ALG II-BezieherInnen erhöhen sich bei
steigenden Mieten; über 10 Mio. €
an Unterbringungskosten zahlte die Stadt bisher an
die Freiburger
Stadtbau GmbH (FSB), die dann „nach außen“ fließen;
- die FSB erzielte im Jahr 2005 10,3 Mio. € Gewinn
(davon aus dem operativen Geschäft,
d.h. ohne Wohnungsverkäufe, über 5
Mio. €);
- die Gewerbesteuereinnahmen sinken mit den
geringeren Auftragsvolumina, die von
einem Finanzinvestor für Sanierung
und Instandsetzung getätigt werden usw. usf.
In Kreisen der Bürgerinitiative Wohnen ist Menschenrecht wird zudem der
Vorschlag wohlwollend diskutiert, dass die FSB die städtischen
Wohnungen des Amtes für Liegenschaften kauft. Der Kaufpreis von ca. 70
Mio. € würde jährlichen Entlastungen von weiteren 3 bis 4 Mio. €
entsprechen, nach und nach könnte die FSB auch die städtischen
Grundstücke, auf denen Wohnungen der FSB stehen, erwerben, wo durch der
städtische Haushalt nochmals mehrere Millionen Euro im Jahr einnehmen
könnte.
Weitere Überlegungen zur Entlastung des städtischen Haushaltes könnten
sein, einen privaten Betreiber für die defizitäre Neue Messe zu finden,
die Sondernutzungsgebühren für Außenanlagen (Werbestelltafeln,
Cafetische auf den Gehwegen vor den Kneipen und Cafes u.ä.) zu erhöhen,
wie auch auf die Abgabe von Gewerbegrundstücken unter Regelpreis zu
verzichten.
Schließlich: eine solide und nachhaltige Haushaltskonsolidierung
erfordert neben einer grundlegenden Umkehr in der Finanzausstattung der
Kommunen durch Land und Bund vor allem eine ausgewogene Kombination aus
Einnahmenerhöhungen, Einsparungen sowie Maßnahmen, die auch dauerhaften
Nutzen bringen.
Eine Rückzahlung aller Schulden auf einen Schlag, wie sie der grüne OB
vorhat, würde dagegen Vorfälligkeitszinsen in zweistelliger
Millionenhöhe mit sich bringen!
Hendrijk Guzzoni 4.6. 06
Wohnungsverkäufe Einführung zur Veranstaltung der UL
„Der mit den Heuschrecken tanzt“, will 9.000 Wohnungen der FSB und der
Stadt verkaufen. Damit hat der grüne OB, ungewollt, die Freiburger
Verhältnisse zum Tanzen gebracht.Hier soll nicht auf die Auswirkungen,
die das für die Mieter hat, eingegangen werden und auch nicht über die
Praktiken der Heuschrecken, dazu äußern sich die Referenten.
I)
Es wird kurz dargelegt, wie hier Entscheidungen getroffen werden
sollen. Der FNP – Prozess lief über drei Jahre - Die Wohnungsverkäufe
sollen in acht Wochen durchgezogen werden. Frau Feierling - Rombach
hat letzte Woche gefordert, es bräuchte eine Aufgabenkritik. Dem
stimmen die UL zu! Wir brauchen eine Wertediskussion: Wollen wir in
einer Stadt leben, in der die Erwartung zweistelliger Renditen
wichtiger ist als das Menschenrecht „Wohnen“? Verabschiedet sich die
Stadt von der sozialen Daseinsvorsorge? Verabschiedet sich die Stadt
von der Aufgabe, sozial Benachteiligte mit bezahlbarem Wohnraum zu
versorgen? Haben wir über unsere Verhältnisse gelebt? Wenn ja, wer hat
das? Und: wer soll das bezahlen? Will und muss die Stadt Instrumente
zur politischen Steu-erung (Mieten, Wohnversorgung, Stadtentwicklung,
Ökologie) behalten?
II) Keine Alternativen
OB Salomon behauptet, es gebe zu den Wohnungsverkäufen keine
Al-ternative. Wer sagt, es gäbe keine Alternativen, ist Entscheidungs-
und damit letztlich politikunfähig. Es gibt immer Alternativen. Es gab
sie in der Vergangenheit:
- Schlossbergturm,
- Ende 2002: Fahrbahnsanierung Schwarzwaldstr.
- Stadterneuerung Metzgerau,
alle diesen Projekten haben die UL aufgrund der städtischen Finanzlage
nicht zugestimmt. Die VAG hätte auch Straßenbahnen kaufen können, die
2,5 statt 3,5 Mio. € das Stück kosten – und dafür den Vorteil gehabt
hätten, nicht zusammenzufallen, wie die Combinos.
Die UL schlagen vor, die Gewerbesteuer zu erhöhen: 10% nach 15 Jah-ren:
das entspricht einer jährlichen Steigerung von 0,6%; dies müsste der
Wirtschaft in Freiburg zuzumuten sein; wenn man bedenkt:
-
dass OB Salomon die Mietpreissteigerungen in seiner Sozialcharta auf 5% / Jahr begrenzen will
-
dass wir demnächst eine Mwst von 19% haben werden!
-
Eine Erhöhung der Gewerbesteuer brächte der Stadt jährliche Mehreinnahmen von 8 bis 9 Mio Euro
-
Die Stadt sollte darauf drängen, dass die Sparkasse
25% ihres Gewinns an die Gesellschafter ausschüttet, das wären weitere
3 Mio
-
Ein Verkauf der städtischen Wohnungen an die FSB
würde ca. 70 Mio.€ einbringen, das wäre eine jährliche Entlastung des
Haushalts von weiteren 3 bis 4 Mio.€;
-
Die Stadt könnte die Grundstücke auf denen Häuser
der FSB stehen mit einem Wert von ca. 150 Mio.€ an die FSB verkaufen
Der grüne OB sagt, die badenova zu verkaufen mache keinen Sinn, da
diese Gewinne macht. - Das ist richtig - Doch: auch die Freiburger
Stadtbau (FSB) macht Gewinne. Im Jahre 2005 betrug der Gewinn der
FSB10,3 Mio €, aus operativem Geschäft (ohne Wohnungsverkäufe) immer
noch über 5 Mio! Was für eine Argumentation, dass man eine
ren-tierliche Beteiligung nicht verkaufen dürfe und dafür eine
rentierliche Gesellschaft verkaufen müsse!!! Der grüne OB sagt, ein
Verkauf Neue Messe ginge nicht, die mache Defizit, die kaufe ohnehin
niemand. Haben Sie ein gutes Gefühl dabei, die Sanierung des
städtischen Haushalts denen zu überlassen, die andauernd Einrichtungen
bauen, die dann so defizitär sind, dass man sie nicht verkaufen kann?
Abgesehen davon: es gab vor Jahren ein Angebot aus Basel, die
Freiburger Messe zu übernehmen. Es ist nicht bekannt, ob das Angebot
noch gilt oder wie viel das bringen würde. Aber hat der grüne OB mal
nachgefragt? Das müsste man eigentlich erwarten können.
Es gibt immer Alternativen. Es gibt sie auch hier. Wir wollen eine
umfas-sende öffentliche Debatte über den richtigen Weg oder die
richtigen Wege zur Sanierung des städtischen Haushalts
III) Auch zu bedenken
Der OB setzt große Hoffnungen in eine Verwaltungsreform. Aber welches
Signal sendet der OB aus? In der FSB hat es große Umstrukturierungen
gegeben, der Betriebsrat und die Beschäftigten haben viele
Zugeständnisse erbracht. Und sollen jetzt verkauft werden. Wenn
Zugeständnisse der Beschäftigten so „honoriert“ werden, wie will der
OB die städtischen Beschäftigten für eine Verwaltungsreform motivieren?
Thema Glaubwürdigkeit: Wir reden schon fast nicht mehr darüber, weil
wir es so gewöhnt sind. Aber man sollte darüber reden: Es steht die
Aussage des OB im Jahr 2002:
„Eine Sanierung des Haushaltes durch Verkauf der städtischen Wohnungen oder der FSB wird es mit mir nicht geben!“
Es gab den Beschluss des Aufsichtsrates der FSB vom Dez. 2005, auf
absehbare Zeit keine weiteren Verkäufe zu tätigen. Ein Gemeinwesen
funktioniert nur, wenn sich die Menschen auf solche Aussagen verlassen
können!
· Thema Ökostandards:
· Bezieht die Fortress Regiostrom?
· Wie steht es mit der Nierdigenergiebauweise?
· Werden die Häuser an Blockheizkraftweke angeschlossen, regenerative Energien verwandt?
· Wärmedämmmaßnahmen durchgeführt?
Dem Grünen OB mag das egal sein, uns ist das nicht egal. Das örtliche
Handwerk wird leiden, wenn nur noch 1/5 an Investitionen für
Instandsetzung getätigt werden. Und die Investitionen werden nicht vor
Ort ver-geben, ein Großinvestor beschäftigt seine europaweit
operierenden Zulieferunternehmen, da werden z.B. 100.000 Fenster
irgendwo produziert und davon gehen dann halt welche nach Freiburg,
andere woanders hin.Das ist ein Grund, warum sich z.B. die
Schreinerinnung gegen diese Verkäufe ausgesprochen hat. Geringere
Auftragsvolumina an das örtli-che Handwerk führen zu einem Rückgang an
Gewerbe- und Lohnsteuer und letztlich zu weniger Arbeitsplätzen.
Die zweistelligen Renditen von Fortress: dieses Geld verlässt den
regionalen Wirtschaftskreislauf (das selbe gilt übrigens auch für PPP
mit einem internat. Investor: auch hier verlässt das Geld den
regionalen Wirtschaftskreislauf. Diese Maßnahmen schwächen die
regionale Wirtschaftskraft.
Thema Arbeitsplätze bei der FSB. Was für einen Wert hat eine
Arbeitsplatzgarantie für zwei Jahre? Es ist davon auszugehen, dass
sich die Zahl der Arbeitsplätze bei der FSB halbieren wird, das nennt
man lokale Arbeitslosenproduktion.
Steuerung bei der Stadtentwicklung? Bei der baulichen Gestaltung? Wird
es nicht mehr geben. Ein Grund weswegen sich z.B. die
Architektenkammer gegen die Verkäufe ausgesprochen hat. Aber auch
Steuerungsmöglichkeiten, um Ghettoisierungen zu verhindern, wird die
Stadt nicht mehr haben.
IV) Bundespolitik
Das „Konnexitätsprinzip“ bedeutet: „Wer bestellt, zahlt“ Es ist eine
berechtigte Forderung der Kommunen, des Städtetages, das
Konnexitätsprinzip zu bewahren.
Ein Verkauf wäre ein Ausbruch aus der Solidarität der Kommunen. Ein
Freiburger Architekt sagte hierzu kürzlich: „wenn Freiburg fällt, fällt
das ganze Ländle“.
Wie einfach würde es dem Bund gemacht zu sagen: verkauft doch erst mal euer Vermögen! Macht`s wie Dresden und Freiburg.
Die Folge: die Finanzausstattung der Kommunen wird nicht besser. Die
Milliardengeschenke an Unternehmenssteuern seit 2000, der sinkende
Anteil der Kommunen an den Steuern seit den 50er Jahren, hier muss
gegengesteuert werden. Wer bedroht die BRD? Beim Rüstungshaushalt wäre
viel Luft für Gelder für die Kommunen. Es gibt Alternativen. Es gibt
immer Alternativen.
Eine konsequente, lösungsorientierte und erfolgreiche Politik geht
Probleme dort an, wo sie entstehen. Eine Binsenweisheit. Die
Verwaltungs-vorlage zeigt: /5 der Haushaltsprobleme kommen aus Berlin
und Stuttgart. Was macht also der grüne OB? Er will die Probleme
ausschließlich in Freiburg lösen!!! Sie sind aber allein in Freiburg
nicht zu lösen!!!
Ohne eine Anwendung des Konnexitätsprinzips werden wir uns in Freiburg wie die Hamster im Laufrad bewegen.
Heute haben wir ein Minus von 15 Mio bei den Kosten für Unterbringung
der ALG II Bezieher, dies macht über die Hälfte des strukturellen
Defizits aus, das der OB mit ca. 20-25 Mio/Jahr € angibt. (übrigens:
heute gehen 10 Mio dieser Gelder an die FSB, morgen an Fortress??).
Spielen wir einmal folgendes Szenario durch:
die Stadt entschuldet sich durch den Verkauf der städtischen
Wohnungen, sie deckt das strukturelle Defizit von 20 bis 25 Mio ab. Es
stehen folgende Projekte an:
Die Schulsanierungen mit PPP (Kosten 9 Mio/Jahr, nach Verwaltungsvorlage 15 Mio), die Sanierung des Augustinermuseums
Straßensanierungen, die Stadtbahnlinie Neue Messe…
Und schon haben wir wieder ein neues Defizit, machen neue Schulden.
Aber: es fehlen die Einnahmen aus Mieten und Pacht. Und Ausgaben für
Unterbringung gehen an die 5th Avenue statt an die FSB. Die
Wirt-schafskraft der Stadt sinkt
Dann kommt der Bund mit einer Entscheidung ähnlich der mit der
Unter-bringung der ALG II- Bezieher (z.B. könnte die Bundesregierung
beschließen die Grundsicherung, ein Bürgergeld, den Anspruch auf einen
Hortplätze für jedes Kind ab 1 Jahr…
· Das wären Pflichtaufgaben für die Kommune.
· Was dann?
· Was verkauft der OB dann ?
· Welche Einrichtungen schließen die Grünen dann?
Die Krise würde umso härter, weil das Vermögen weg ist und die
ent-sprechenden Einnahmen. Eine Spirale nach unten mit immer schneller
anwachsenden neuen Schulden. Im Jahr 1999 hat die Stadt Kiel 11.000
städtische Wohnungen verkauft. Heute hat Kiel nach nur sieben Jahren
schon wieder so viel Schulden wie vorher !
Im Zuge dieser politischen Diskussion hat jemand darauf hingewiesen,
dass Macht und Reichtum der Kath. Kirche u.a. auf dem Beschluss aus dem
frühen Mittelalter beruhe, keinen Grund und Boden zu verkaufen.
V) Sind die Verkäufe zu verhindern?
So war die Frage am 1. Mai - Sie ist heute überholtDenn
heute ist klar: die Verkäufe sind zu verhindern - Die
Bürger haben es in der Hand
OB Salomon hat die Verhältnisse zum Tanzen gebracht, der Widerstand
gegen die Pläne zum totalen (H)Ausverkauf ist breiter und heftiger als
irgendjemand vermuten konnte.Das Bürgerbegehren kann und wird
er-folgreich sein. Es werden bis zum 4.7. die erforderlichen 14.500
Unterschriften gesammelt worden sein. Dies wird nur ein erster Schritt
sein, Wir halten folgende Punkte für unerlässlich:
· Eine breite öffentliche Debatte über politische Prioritäten und Auf-gaben
· Ein Bekenntnis der Stadt zur sozialen Daseinsvorsorge
· Eine solide Entschuldungskonzeption
· Eine bewahrende und nachhaltige Vermögenspolitik
· Mehr statt weniger bezahlbaren Wohnraum
· Erhalt des (gesamten) städtischen Wohnraums
Es gibt keinen Grund, von diesen Positionen abzugehen. Ebenso gibt es
keinen Grund, faule Kompromisse einzugehen, keinen Grund, sich mit
einem kleineren Übel zufriedenzugeben, keinen Grund, „Heuschreckle“ zu
akzeptieren.
Denn ÖFFENTLICH ist unverzichtbar – und auch die LEG, auch
„Heuschreckle“ sind nicht öffentlich, sie bieten keinen städtische
Gestaltungsmöglichkeit und keine demokratische Kontrolle und
Einflussmög-lichkeit. Der grüne OB bezeichnet den Verkauf der
städtischen Wohnungen einen Befreiungsschlag. Wer auch nur ein
bisschen von Fussball versteht, weiß: Befreiungsschläge haben es so an
sich, dass der Ball meist beim Gegner landet und postwendend der
nächste Angriff aufs eigene Tor rollt.
Unsere Vorstellung vom Spiel ist eine andere: Unsere Idee ist (Ball-)
Besitz sichern – alle ins Spiel einbeziehen – kreativ spielen und klug
kombinieren !
Freiburg, 17.5. Hendrijk Guzzoni
Von “Investoren” , die gar keine sind / BZ 19.05.06
Hearing der Unabhängigen Listen zum Wohnungsverkauf am 17.5.06
Von unserer Redakteurin Simone Lutz
Die Gemeinderatsfraktion der Unabhängigen Listen sagt strikt “Nein” zum
geplanten Verkauf der städtischen Wohnungen. Um dieses “Nein” auch zu
untermauern, hatte sie für Mittwoch abend zu einem Hearing mit
Referenten eingeladen, die die Folgen von Wohnungsverkäufen in anderen
Städten erlebt haben: dem Kölner Publizisten Werner Rügemer und dem
Vorstand des Kieler Mietervereins, Jochen Kiersch.
“Was spricht gegen den Verkauf städtischer Wohnungen? Alles.” Werner
Rügemer, preisgekrönter kritischer Wirtschaftsjournalist und Buchautor,
positioniert sich deutlich. Er erklärt den knapp 200 Zuhörern die Logik
der finanziellen Verwertbarkeit von Wohnungen so: In Deutschland sind
etwa fünf Millionen Wohnungen noch nicht dem freien Markt unterworfen,
die Hälfte davon sind kommunale Wohnungen mit relativ niedrigen Mieten.
Das haben die neuen finanzstarken “Investoren” , die nicht investieren,
sondern nur verwerten, erkannt. Sie kaufen von Stadtverwaltungen in
Finanznot Wohnungen beziehungsweise Wohnungsbauunternehmen zum
Schleuderpreis. Diese Wohnungsbauunternehmen werden dann mit
Briefkastenfirmen fusioniert, die hohe Schulden haben; dadurch zahlen
die neuen Besitzer keine Steuern.
Die Käufer haben den Börsengang im Blick
Dann erhöhen die neuen Vermieter die Mieten und entlassen Beschäftigte
in den Wohnungsbauunternehmen; Beschäftigungsgarantien drücken den
Kaufpreis. Rügemer: “Da werden politische Zugeständnisse mit viel Geld
erkauft.” Auch veräußern sie einzelne Wohnungen, die sie für 500 bis
800 Euro pro Quadratmeter kauften, nach einer schlichten Sanierung für
1200 bis 1500 Euro pro Quadratmeter weiter. Im Blick haben sie dabei
den Börsengang — von 2007 an sollen Gewinne von Aktiengesellschaften
nicht mehr besteuert werden.
Für die Städte, die verkauft haben, erfüllen sich die Erwartungen
jedoch nicht. Die einmalige Einnahme der unter Wert verkauften
Wohnungen nützt bei einem strukturellen Defizit nichts; Berlin etwa,
das massiv verkaufte, ist heute verschuldeter denn je. Die Mieten
steigen auf breiter Front, weil die fünf Millionen Wohnungen, die nach
und nach verkauft werden, ihre bremsende Wirkung verlieren; die
regionale Wirtschaftsentwicklung wird geschwächt, weil die “Investoren”
keine einheimischen Handwerker, sondern Billigkräfte beschäftigen; und
das Geld, das für die Miete bezahlt wird, bleibt nicht in der Stadt,
sondern geht an den “Investor” . “Kein verantwortlicher Politiker darf
dem zustimmen” , so das Fazit von Werner Rügemer.
Aus Sicht des Kieler Mietervereins rät auch dessen Vorstand Jochen
Kiersch von einem Verkauf der Wohnungen ab. Zwar kann man Kiel nicht
mit Freiburg vergleichen — der Wohnungsmarkt an der Förde ist
entspannt. Doch wurden dort binnen sechs Jahren 50 000 Wohnungen
veräußert, und das mit Folgen. “Die große Katastrophe ist ausgeblieben”
, sagt Kiersch, “aber das ist nur die halbe Wahrheit.”
Die neuen Vermieter schotten sich gegen “Problemhaushalte” ab
So wurden die Mietermitbestimmung sofort abgeschafft und ein
ambitioniertes energetisches Modernisierungsprogramm ad acta gelegt,
statt dessen wurden die Wohnungen für weniger Geld “aufgehübscht” . Die
Wohnungen, darunter auch solche der LEG Schleswig-Holstein, wurden
weiterverkauft; heute können sich die Mieter bei Problemen nicht mehr
an eine Zentrale wenden, sondern landen irgendwo bei einem call center.
Zwar wurden wegen der hohen Leerstände in Kiel die Mieten gesenkt, doch
so genannten “Problemhaushalten” wird es schwer gemacht, überhaupt noch
eine Wohnung zu finden: “Die neuen Vermieter schotten sich rigoros
gegen einkommensschwache Familien ab” , so Kiersch. Als Folge davon
gibt es nun in Kiel zwei soziale Brennpunkte mehr.
Wer jetzt eine Wohnung mieten will, muss erst mal eine Selbstauskunft
erteilen, eine Schufa-Auskunft bringen, ein Gespräch mit einem
“Wohnungspfleger” führen und diesen im Extremfall sogar in seine alte
Wohnung lassen. Bei Zahlungsverzug, auch bei unverschuldetem, schickt
der Hausmeister dann eine feuerrote Karte und sorgt dafür, dass die
anderen Mieter das mitkriegen. “Verkaufen Sie nicht, das hilft Ihnen
nicht” , so Kierschs abschließendes Resümee. “Und außerdem ist das
total einfallslos — alles verscheuern kann schließlich jeder.”
Neues in Sachen städtischer Wohnungsverkauf / 23.5.06
Filz und Sumpf
Die Dresdener Stadträtin
Christine Ostrowski war auf Einladung des OB in Freiburg und
informierte das Bürgermeisteramt und Fraktionen (nur Grüne + FW) über
ihre Erfahrungen beim Verkauf städtischer Wohnungsbestände. Sie gehörte
zu den 9 der 17 Stadträten der Linkspartei, deren Stimmen eine Mehrheit
für den Dresdner Verkauf schuf. Das geht aus einer 3-seitigen
städtischen Mitteilung an die Presse hervor. Was Frau Ostrowski zu
berichten wusste, war weder in BZ noch „Sonntag“ zu lesen, denn der DGB
stieß bei seinen Recherchen auf Interessantes und hat es ebenfalls der
Presse kundgetan: Frau Ostrowski ist Prokuristin bei der Sachsen
Treuhand, einer Immobilienfirma und 100 %-igen Tochter der
Berlin-Branden-burgischen-Treuhand. Diese wiederum hat Fortress, den
Käufer der WOBA Dresden, beim Kauf beraten!
Ein öffentliches Hearing mit unabhängigen Sachverständigen
von
uns und SPD gefordert, hat die Mehrheit des Gemeinderats hingegen
abgelehnt. Statt dessen „informiert“ Salomon persönlich in
Stadtteilveranstaltungen. Tenor: Der Verkauf ist die einzige Lösung für
einen ausgeglichenen Haushalt. Keine Expertise über mittel- und
langfristige Folgen auf die städtischen Einnahmen, die regionale
Wirtschaft, die soziale, kulturelle und bauliche StadtEntwicklung. Wen
wundert es, dass er damit auf wenig Verständnis und viele Ängste der
FreiburgerInnen stößt?
UL fordert OB auf, sein Aufsichtsratsmandat bei der LEG ruhen zu lassen
solange bis eine endgültige Endscheidung in Sachen Wohnungsverkauf gefallen ist. Die
LEG Baden-Württemberg ist am Kauf der Freiburger Stadtbau (FSB) interessiert. Salomon ist Mitglied dieses Aufsichtsrats.
Verwirrung um Frage des Bürgerentscheids erwünscht?
„Sind
Sie dafür, dass die Stadt Freiburg Eigentümerin der FSB und der
städtischen Wohnungen bleibt?“ so lautet die Frage der BI „Wohnen ist
Menschenrecht“ und so haben UL + SPD einen Bürgerentscheid vorsorglich
beantragt. Nun wollen Grüne + FW ebenfalls einen Bürgerentscheid, mit
konträrer Fragestellung geht nicht, sagt das Rechtsamt. Jede
Ergänzungsfrage nach Schulsanierung contra Wohnungsverkäufe oder gar
ein gleichzeitiger zweiter Bürgerentscheid kann nur dem Ziel dienen,
Verwirrung zu stiften.
Wer aber einen Teil der Bürger begünstigt und einen anderen vernachlässigt,
schleppt das verderbliche Übel in das Gemeinwesen ein
Cicero, 106 v.Chr. - 43 v.Chr.
Keine Zeit zum Schmollen
Die Fraktionsgemeinschaft Unabhängige Listen (UL) fordert OB Salomon
und alle Kritiker des Ergebnisses des Bürgerentscheides auf, aus der
Schmollecke herauszukommen und das Votum der Bürgerschaft ernst zu
nehmen. Es besagt, dass es nicht sein darf, dass, „um kurzfristig
Haushaltslöcher zu stopfen, jetzt veräußert wird, was Generationen an
öffentlichem Vermögen angehäuft haben, um einen Schutzwall gegen
soziale Risiken aufzubauen“ (so der Münchner OB Ude heute in der SZ).
Dieser Entscheid der Bürger denkt über den Tag hinaus an die Stadt in
dieser und den kommenden Generationen. Die verantwortlichen
Politiker sollten jetzt nicht als schlechte Verlierer und Rechthaber
auftreten, sondern ihren Aufgaben nachkommen. Es ist für die UL
völlig inakzeptabel, wenn OB Salomon den Ausgang des Bürgerentscheides
als „Niederlage“ gar „Katastrophe für Freiburg“ diffamiert. Es war eine
herbe Niederlage für eine kurzsichtige Politik, die das städtische
Vermögen den horrenden Gewinnerwartungen privater Investoren überlassen
wollte. Die UL erwartet vom OB, dass er keine unzutreffenden
Horrormeldungen verbreitet („nichts geht mehr“) sondern seinen Aufgaben
nachkommt. Der Haushaltserlass des Landes vom 13.11.2006 liegt der
Verwaltung vor, die UL erwartet unverzüglich die entsprechenden Zahlen
für Freiburg. Der OB hat alle Anstrengungen mit Unterstützung des
Gemeinderates und der Bürger zu unternehmen, um einen
genehmigungsfähigen Haushalt vorzulegen, anstatt wie im Wahlkampf zu
verkünden, der kommende Doppelhaushalt werde nicht genehmigungsfähig
sein und alles werde zusammengestrichen. Es ist unglaublich, dass nicht
der OB sondern der Regierungspräsident heute in der Stuttgarter Zeitung
erklärt, dass auf irgendeine Weise „die bröselnden Schulen saniert
werden müssen“ und die Streichung sämtlicher freiwilliger Leistungen
keine Lösung sein könne, weil das „ ein ganzes Netzwerk zerstören“
würde. Solches in der BZ vom amtierenden OB zu lesen wäre ein erster
Schritt in die richtige Richtung.
Michael Moos
Fraktionsvorsitzender