Wagenburgen als alternative Lebensform zulassen und städtische Grundstücke zur Verfügung stellen!
Erklärung Freiburger Bürgerinnen und Bürger zum Konflikt zwischen der Stadt Freiburg und den »Schattenparkern«
Erklärung Freiburger Bürgerinnen und Bürger
zum Konflikt zwischen der Stadt Freiburg und den »Schattenparkern«
Wieder einmal wird die Freiburger Öffentlichkeit über Auseinandersetzungen zwischen jungen und
älteren Menschen hier, der Stadtverwaltung und der Polizei dort informiert. Wieder einmal geht es um die
Frage, ob und in welchem Maße junge Leute sich das Recht herausnehmen dürfen, so zu wohnen, wie es
ihren Bedürfnissen und Vorstellungen entspricht. Die „Schattenparker“ reklamieren ein Grundrecht auf
ein selbstbestimmtes Leben mit anderen Gleichgesinnten in einer Bauwagenkolonie, die Stadtverwaltung
verweist auf Anwohnerklagen, Gemeinderatsbeschlüsse und Rechtsverfügungen. Am Beispiel dieser
Gruppe wird deutlich, wie schwer sich eine Gesellschaft tut, wenn Menschen tradierte Lebensformen
verlassen und neue Experimente wagen wollen, und wie wenig souverän Kommunalverwaltungen oft in
einer solchen Situation reagieren.
Freiburg, die Stadt, die stolz ist auf ihren liberalen Lebensstil und auf ihre breite Palette alternativer
Lebensformen, ist drauf und dran, diesen Konflikt in die Eskalation zu treiben. Unbeweglich beharren
Stadtverwaltung und Polizei auf ihrer Sicht der Dinge. Erinnerungen an die 80er Jahre, an „Dreisameck“
und „Schwarzwaldhof“ werden wach: Soll hier ein Exempel statuiert und eine einmal eingeschlagene,
harte Linie konsequent „durchgezogen“ werden, egal, welcher Schaden daraus entsteht, egal, wie sinnvoll
diese Haltung ist?
Zugleich aber melden sich aus der Bürgerschaft, der Wissenschaft, den Gewerkschaften, den Kirchen
wie aus den Rathausparteien Stimmen, die die Anliegen der Wagenburgler ernst nehmen und der Stadt
zum Gespräch statt zur Repression raten.
Denn in der Sicht der Stadtverwaltung erscheinen die „Schattenparker“ zwar als konfliktprovozierende
und unvernünftige Ansammlung von Aussteigern, hart am Rande der Legalität. Doch beim Lesen der von
der Gruppe publizierten Selbstdarstellungen und im persönlichen Gespräch mit ihren Mitgliedern entsteht
ein durchaus anderer Eindruck: dass es sich hier um gesprächs- und dialogbereite VertreterInnen einer
ernstzunehmenden Idee experimentellen Wohnens handelt; dass hier auf unkonventionelle Weise - und
deshalb für viele befremdlich - eigene Antworten gesucht werden auf unsere in Bewegung geratene
Gesellschaft, - eine Gesellschaft, die Mobilität, Initiativ- und Innovationsbereitschaft preist und deshalb
auch Experimenten dieser Art einen Platz einräumen sollte.
Angesichts dieser zwiespältigen Situation müssen Freiburgs Stadtverwaltung und Bürgerschaft sich
fragen, wie es nun weiter gehen soll:
– Das Experiment dieser Gruppe weiterhin mit den Mitteln der Macht, des formalen Rechts und der polizeilichen
Gewalt unterdrücken?
– oder: die Unbequemen widerwillig dulden und mit möglichst restriktiven Bedingungen marginalisieren
und zermürben?
– oder: den Dialog suchen, die Gruppe ernstnehmen, sie aufmerksam fördern, wo sie es verdient, und
fair und gelassen sich um Ausgleich bemühen, wo unterschiedliche Interessen auf einander prallen?
Wir UnterzeichnerInnen setzen uns mit Entschiedenheit dafür ein, dass die Stadtverwaltung ihren
bisherigen Konfliktkurs aufgibt, für erträgliche Lebensbedingungen der Betroffenen sorgt und gemeinsam
mit ihnen und engagierten BürgerInnen nach einem Ausweg aus der gegenwärtigen Situation sucht. Wir
bieten unsere Hilfe für einen solchen Weg an.
Freiburg, den 13. Dezember 2005
als ErstunterzeichnerInnen: Hans Joachim G e h r k e, Universitätsprofessor – Ute G u z z o n i,
Universitätsprofessorin – Hans Peter H e r r m a n n, Universitätsprofessor – Jürgen H ö f f l i n, DGBRegio-
Vorsitzender – Christian K e l l e r, Pfarrer – Brigitte K e s t i n g, Kunsthistorikerin – Werner
N i c k o l a i, Professor an der Katholischen Fachhochschule – Günter R a u s c h, Professor an der
Evangelischen Fachhochschule – Traugott S c h ä c h t e l e, Dekan – Hans-Jörg S e e b a c h e r,
Altstadtrat – Sissi W a l t h e r - K l i g l e r, Diplomkaufmann.
Wo bleibt die so hoch gepriesene Freiburger Gesprächskultur?
Auf Anordnung der Stadt erfolgte am Samstag, dem 3.12.2005 unter
massivem Einsatz der Polizei die Räumung des Fahnenmastplatzes
Merzhauserstraße/Wiesentalstraße. Der Platz wurde im Rahmen einer
Demonstration besetzen. Die Schattenparker wurden allerdings sofort mit
einem Platzverweis belegt, dessen Umsetzung umgehend und ohne vorherige
Aufforderung, das Gelände freiwillig zu räumen, erfolgte. Sämtliche
Wagen wurden beschlagnahmt. Die Konsequenz: Auf Veranlassung der Stadt
wurden 23 Menschen obdachlos.
Der Fahnenmastplatz, auf dem nach dem Abzug der französischen Armee die
Kasernengebäude 007 und 008 zunächst bewohnt und dann gegen den
Widerstand der Bewohner abgerissen wurden, liegt seit 1999 brach und
verpflichtet die Stadt zu hohen Zinszahlungen.
Nach 2 1/2 Jahren Duldung der Wagenburgler am Standort Obi/St.Georgen
und ihrer intensiven Suche nach einem alternativen Platz, Gesprächen
mit der Stadtverwaltung usw., wird nun zu Beginn der kalten Jahreszeit
versucht, mit unverhältnismäßigen und martialischen Polizeiaufgeboten
diese Variante alternativen Lebens in Freiburg endgültig zu beseitigen.
Freiburg ist auf dem besten Weg, seinen Ruf als offene und tolerante
Stadt zu verlieren: Seit nunmehr 12 Jahren ist die Verwaltung nicht in
der Lage oder Willens, Plätze für alternative Wohnformen, für
Wagenburg-Bewohner, die in Freiburg leben und arbeiten, in Ausbildung
sind oder studieren, zur Verfügung zu stellen bzw. Verhandlungen mit
privaten Grundstückseigentümern zu unterstützen.
Der Vorschlag der Unabhängigen Listen während der letzten
Gemeinderatssitzung, einen gemeinsamen Weg aller Beteiligten zu suchen,
wurde von der Verwaltung mit dem Verweis auf eine früheren Beschluss,
abgewiesen.
Ein Runder Tisch zusammengesetzt aus Bürgermeisteramt, Vertretern der
Fraktionen, Bürgern und den Wagenbewohnern ist nach unserer Auffassung
auch weiterhin die einzige Chance für eine Lösung auf beiden Seiten.
Auf dessen Tagesordnung steht die Ausweisung von mindestens einem
weiteren Platz mit allen Versorgungsanschlüssen, Müllabfuhr usw. in
Freiburg und ganz aktuell die schnelle Bereitstellung eines Geländes
zum Überwintern.
Presseerklärung Unabhängige Listen, 4.12.05
Die Unabhängigen Listen protestieren auf das Schärfste gegen die am
Samstag, den 3.12.2005 erfolgte Anordnung der Stadt, den
Fahnenmastplatz Merzhauserstrasse/Wiesentalstrasse, unter massivem
Einsatz der Polizei aus Freiburg und Baden-Württemberg, räumen zu
lassen. Dieser Platz, auf dem nach dem Abzug der französischen Armee die
Kasernengebäude 007 und 008 zunächst bewohnt und dann gegen den
Widerstand der Bewohner abgerissen wurden, liegt seit 1999 brach und
verpflichtet die Stadt zu hohen Zinszahlungen.
Am Samstag wurde der Platz im Rahmen einer Demonstration, mit welcher die
Wagenbewohner auf ihre Situation aufmerksam machen wollten, befahren.
Direkt im Anschluß, gegen 15 Uhr, wurden die Wagenburgbewohner, ohne
vorherige Aufforderung das Gelände freiwillig zu räumen, mit einem
Platzverweis belegt. Die Umsetzung des Verweises erfolgte sofort. Sämtliche Wagen wurden
beschlagnahmt. Die Konsquenz: Auf Veranlassung der Stadt und die
entsprechende Ausführung durch die Polizei wurden 23 Menschen
obdachlos. Großzügigerweise durften die Bewohner ihre persönlichen
Sachen inzwischen aus den Wagen holen.
Freiburg ist auf dem besten Weg, seinen Ruf als offene und tolerante
Stadt zu beschädigen: Seit nunmehr 12 Jahren ist die Verwaltung nicht
in der Lage oder Willens, Plätze für alternative Wohnformen, für
Wagenburg-Bewohner, die in Freiburg leben, arbeiten, in Ausbildung sind
oder studieren, zur Verfügung zu stellen bzw. Verhandlungen mit
privaten Grundstückseigentümern zu unterstützen
Nach 2 1/2 Jahren am Standort Obi/St.Georgen und seither auch
intensivster Platzsuche und Gesprächen mit der Stadtverwaltung usw.
wird nun zu Beginn der kalten Jahreszeit versucht mit
unverhältnismäßigen und martialischen Polizeiaufgeboten diese Variante
alternativen Lebens in Freiburg endgültig zu beseitigen.Während der Gemeinderatssitzung vom 29. November haben die
Schattenparker auf ausführlichen Flugblättern über ihre Ziele und
Vorschläge informiert, um neben einer langfristigen Lösung konkret über
eine Zwischenlösung bis zum Frühjahr zu verhandeln.
Der Vorschlag der Unabhängigen Listen unter Punkt Verschiedenes, einen
gemeinsamen Weg aller Beteiligten zu suchen, wurde von der Verwaltung mit dem Verweis auf eine früheren Beschluss des
Gemeinderats, abgewiesen. Wieder einmal wurde die Chance vertan, eine Kommune gestaltend
und kreativ zu lenken. Dies lässt auf ein tiefes
Unverständnis einer verantwortungsvollen Amtsführung, unter dem Primat
demokratischen Handelns, schließen.
Ein Runder Tisch mit Bürgermeisteramt, Vertretern der Fraktionen
zusammen mit den Wagenburgbewohnern ist nach unserer Auffassung auch
weiterhin die einzige Chance für eine Lösung auf allen Seiten. Die
Ausweisung von mindestens einem weiteren Platz mit allen
Versorgungsanschlüssen, Müllabfuhr usw. in Freiburg steht auf der
Tagesordnung und ganz aktuell die schnelle Bereitstellung eines
Geländes zum Überwintern.
Unabhängige Listen
Ulrike Schubert Hendrijk Guzzoni
Brief an die Lokalredaktion der Badischen Zeitung
Wagenburg
Badische Zeitung
Lokalredaktion
Freiburg, den 02.12.2005
Sehr geehrter Herr Mauch,
am Tag der Räumung haben wir Ihnen eine PE übersandt, die bisher keinerlei
Berücksichtigung fand. Ebenso wurde nicht darüber berichtet, daß ich am Ende
der Gemeinderatssitzung den 1. Bürgermeister mit unserer Position
konfrontierte und um Stellungnahme bat. Leider hat sich BM Neideck auf die
bisherige Beschlussfassung des Gemeinderats zurückgezogen (keinen weiteren
Wagenplatz) ohne auf die Gesprächsvorschläge einzugehen. Zusammengefaßt:
In Freiburg gibt es einen Platz am Eselswinkel, ausreichend für ca. 25
Stellplätze, der aber weitgehend belegt ist. Die Verwaltung spricht von 10
freien, die Schattenparker von 5 freien Plätzen. Für den hohen Bedarf der
Schattenparker reicht dieser Platz jedenfalls bei weitem nicht. Biohum ist
nach allgemeiner Meinung ein Spezialfall, kein weiterer (offener)
Wagenplatz.
Es ist nachvollziehbar, daß die Gruppe zusammenbleiben will und weiter, daß
eine Großstadt wie Freiburg sich damit auseinanderzusetzen hat, daß es
Menschen gibt, die anders leben wollen. Die Schattenparker haben in einem
Flugblatt während der Gemeinderatssitzung sehr gut erklärt, warum sie so
leben wollen und vor allem, daß dies einem Stadtteil und der Stadt gut tun
kann, - wenn man bereit ist, sich offen damit auseinander zu setzen. Doch
Freiburg macht unter einem grünen OB genau das Gegenteil: anstatt sich mit
den Leuten zusammehn zu setzen, setzt man auf die Polizei und die Zeit. Und
man verpaßt einmal mehr die Möglichkeit, neue, interessante Impulse
aufzunehmen und nach einer Lösung gemeinsam zu suchen.
Wir stehen für gemeinsame Gespräche Stadt, Gemeinderat und Schattenparker
weiterhin zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Moos, Fraktionsvorsitzender
Presseerklärung zu den Schattenparkern, 25.11.05
An die
Örtliche Presse
Freiburg, 25.11.05
Presseerklärung zu den Schattenparkern
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Schattenparker haben uns mitgeteilt, daß sie die Klage beim
Verwaltungsgericht zurückgenommen und die Straße in St. Georgen / Nähe
OBI geräumt haben. Sie haben einen Platz im Industriegebiet Nord
besetzt, der aber Gelände der Rhodia ist und auf dem sie ebenfalls
nicht bleiben können. Auf dem Ihnen von der Stadt angebotenen Platz am
Eselswinkel haben die 25 Wagen keinen Platz.
Stadtverwaltung und die Mehrheit des Gemeinderats haben es abgelehnt,
einen weiteren Platz für eine Wagenburg auszuweisen. Die damit
geschaffene Situation ist einer Großstadt, die sich gerne als offene,
ja weltoffene Stadt bezeichnet, unwürdig. Eine Stadt mit über 200.000
Einwohnern müsste es akzeptieren können, daß diese Gruppe in einer
anderen als der herkömmlichen Lebensform zusammenbleiben und leben will.
Wir fordern die Stadtverwaltung auf, unverzüglich geeignete Standorte
zu prüfen. Die anderen Fraktionen sollten ihren bisher ablehnende
Position zu einem weiteren Standort überdenken. Unsere Fraktion ist
jederzeit zu Gesprächen bereit.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Moos, Fraktionsvorsitzender
Räumung???
... und die im Dunkeln sieht man nicht
schrieb einst Bertolt Brecht. Genausowenig wie man diejenigen nicht
sieht, die im Schatten parken. Jedenfalls kümmert und sorgt man sich um
diese nicht, um die „Schattenparker“. Die Schattenparker sind eine
Gruppe von (insgesamt 40) jungen Menschen, teils Studierende, teils
Erwerbstätige, die seit Jahren mit einem hohen ökologischen Anspruch in
einer Gruppe in Wohnwagen zusammenwohnen. Und seit Jahren werden diese
jungen Menschen von einem Standort zum nächsten geschickt, immer wieder
vetrieben, immer wieder herumgeschubst. Viele Vorurteile begegnen den
Schattenparkern, aber es gibt auch reale Probleme, die sich daraus
ergeben, dass diese WohnwagenbewohnerInnen mit ihren Hunden immer
wieder auf Standplätze abgeschoben werden, die im Grunde ungeeignet
sind und wo es tatsächlich zu Problemen und Interessenskonflikten mit
Nachbarn kommt.
Das Problem ist, dass seit Jahren geeignete Standorte für Wagenburgen
nicht genehmigt werden. Die Fraktionsgemeinschaft Unabhängige Frauen
& Linke Liste hat schon seit Jahren die Ausweisung von geeigneten
Wagenburg-Standorten in ausreichender Zahl gefordert. Wir schließen uns
dieser Forderung uneingeschränkt an. Wir werden auch im Rahmen der
Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplanes darauf drängen, dass
geeignete Standorte für Wagenburgen ausgewiesen werden, dass die
Wohnbedürfnisse dieser Menschen genauso berücksichtigt und befriedigt
werden, wie die Anderer auch. Aktuell steht eine Räumungsandrohung für
die Schattenparker, die derzeit an der Basler Straße, Nähe OBI stehen,
im Raum. Der Vorschlag der Verwaltung, die Schattenparker sollten in
den Eselswinkel, sich der dortigen Wagenbewohner-Gruppe anschließen,
taugt aus vielerlei Gründen überhaupt nicht: erstens ist der Platz im
Eselswinkel viel zu klein, um die Gruppe der Schattenparker
aufzunehmen; zweitens leben in der Gruppe der Schattenparker eine Reihe
von Kindern, für die der Eselswinkel weder räumlich noch von der
Bewohnerstruktur der Wagenburg im Eselswinkel zumutbar ist; drittens
unterscheiden sich die Wagenburg-Gruppen von ihrem jeweiligen Konzept
und ihrer jeweiligen Lebensgestaltung so sehr, dass schwere Konflikte
vorprogrammiert wären. Nein, es muss (endlich) ein geeigneter Standort
für die Schattenparker gefunden und genehmigt werden. Die Fraktion der
Unabhängigen Listen unterstützt die Position der Schattenparker, die
ihren jetzigen Platz nicht räumen wollen, bevor ihnen ein geeigneter
Ersatzstandort zugewiesen wird.