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  Aktualisiert:
  06.03.2006

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Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen

„Wer bestimmt das Freiburger Stadtbild“

Immer mehr Bürgerinnen und Bürger sind ungehalten über das Ausmaß von Werbung in der Innenstadt. Sie wird als zu raumgreifend und einengend empfunden, gleichzeitig prägt sie zunehmend das Stadtbild in negativer Weise. Unsere Fraktion teilt diese Einschätzung und möchte die Verwaltung mit diesem Schreiben bitten, dieses Thema auf einer der nächsten Gemeinderatssitzungen aufzusetzen. Wir wünschen uns eine grundsätzliche Debatte über den Umgang mit „Stadtmöblierung“, angefangen mit den Fußgängerstoppern vor den Ladengeschäften und gastronomischen Betrieben bis hin zu nachfolgenden Erscheinungen:

Die Empörung ist derzeit besonders groß über das flächendeckende Transparent von Firma Unmüssig am Breisacher Tor. Wir fragen hiermit an, ob es für derart umfängliche Werbemaßnahme keine städtischen Vorgaben und Beschränkungen gibt? Wer hat diese Werbung warum genehmigt? Findet dieser Vorgang die Unterstützung der Verwaltung?

Über den Rückbau der Wartesitzplätze auf der Stadtbahnbrücke herrscht ebenfalls völliges Unverständnis. Die Bedürfnisse von wartenden Fahrgästen – hier seien vor allem ältere und behinderte Menschen genannt – werden scheinbar ignoriert und der Erzielung von Einnahmen durch Werbung unterworfen. Nachdem in den letzten Jahren die demographische Entwicklung, d.h. vor allem eine älter werdende Gesellschaft Konsequenzen für die soziale, kulturelle und bauliche Stadtentwicklung von uns fordert, machen wir uns mit derartigen Maßnahmen politisch unglaubwürdig. In seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender der VAG fordern wir den Oberbürgermeister deshalb auf, zu veranlassen, dass es anstatt weniger, künftig mehr Sitzmöglichkeiten in Wartebereichen der VAG geben wird und die bereits reduzierten auf der Stadtbahnbrücke, zumindest um die frühere Anzahl von Sitzplätzen, ergänzt werden.

Im Zusammenhang mit der VAG seien hier auch deren Straßenbahnen selbst, als Beispiel besonders aufdringlich empfundener Werbung im öffentlichen Raum genannt. Nicht nur, dass eine Stadtbahn komplett als Werbeträger einer Firma fungiert, ist umstritten. Neuerdings gibt es auch Bahnen, die durch Werbung aufgeteilt auf vier, fünf oder mehr Firmen farblich und im Erscheinungsbild völlig unterschiedlich gestaltet sind. Viele Freiburger/innen empfingen dies als eine ästhetische Zumutung.

All diese Erscheinungen – und viele ähnlicher Art – dominieren in den letzten Jahren zunehmend das Freiburger Stadtbild. Es scheint keine Grenzen zu geben. Ist diese Entwicklung allein deshalb zu rechtfertigen, weil sie der Stadt und der städtischen Betriebe zusätzliche Einnahmen einbringt? Es bedarf keiner weiteren Erläuterung, dass es für die gewünschte Debatte unerlässlich ist, den Gemeinderat umfassend über die Einnahmen der Stadt und der Betriebe mit städtischer Beteiligung durch die verschiedenen Werbeblöcke zu informieren.

Vor allem aber ist für die Diskussion entscheidend, welche Kriterien die Stadt für die Zulassung von Werbung im öffentlichen Raum bisher anlegt. Welche Möglichkeiten hat die Stadt – unter Berücksichtigung der Erfahrungen anderer Städte – die Werbung im öffentlichen Raum auf ein erträgliches Maß zurückzufahren.


Freiburg, 10.7.2008

Irene Vogel       




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