Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
„Wer bestimmt das Freiburger Stadtbild“
Immer mehr Bürgerinnen und Bürger sind ungehalten über das Ausmaß von
Werbung in der Innenstadt. Sie wird als zu raumgreifend und einengend
empfunden, gleichzeitig prägt sie zunehmend das Stadtbild in negativer
Weise. Unsere Fraktion teilt diese Einschätzung und möchte die Verwaltung mit
diesem Schreiben bitten, dieses Thema auf einer der nächsten
Gemeinderatssitzungen aufzusetzen. Wir wünschen uns eine grundsätzliche
Debatte über den Umgang mit „Stadtmöblierung“, angefangen mit den
Fußgängerstoppern vor den Ladengeschäften und gastronomischen Betrieben
bis hin zu nachfolgenden Erscheinungen:
Die Empörung ist derzeit besonders groß über das flächendeckende
Transparent von Firma Unmüssig am Breisacher Tor. Wir fragen hiermit
an, ob es für derart umfängliche Werbemaßnahme keine städtischen
Vorgaben und Beschränkungen gibt? Wer hat diese Werbung warum
genehmigt? Findet dieser Vorgang die Unterstützung der Verwaltung?
Über den Rückbau der Wartesitzplätze auf der Stadtbahnbrücke herrscht
ebenfalls völliges Unverständnis. Die Bedürfnisse von wartenden
Fahrgästen – hier seien vor allem ältere und behinderte Menschen
genannt – werden scheinbar ignoriert und der Erzielung von Einnahmen
durch Werbung unterworfen. Nachdem in den letzten Jahren die
demographische Entwicklung, d.h. vor allem eine älter werdende
Gesellschaft Konsequenzen für die soziale, kulturelle und bauliche
Stadtentwicklung von uns fordert, machen wir uns mit derartigen
Maßnahmen politisch unglaubwürdig. In seiner Eigenschaft als
Aufsichtsratsvorsitzender der VAG fordern wir den Oberbürgermeister deshalb auf, zu
veranlassen, dass es anstatt weniger, künftig mehr Sitzmöglichkeiten in
Wartebereichen der VAG geben wird und die bereits reduzierten auf der
Stadtbahnbrücke, zumindest um die frühere Anzahl von Sitzplätzen,
ergänzt werden.
Im Zusammenhang mit der VAG seien hier auch deren Straßenbahnen selbst,
als Beispiel besonders aufdringlich empfundener Werbung im öffentlichen
Raum genannt. Nicht nur, dass eine Stadtbahn komplett als Werbeträger
einer Firma fungiert, ist umstritten. Neuerdings gibt es auch Bahnen,
die durch Werbung aufgeteilt auf vier, fünf oder mehr Firmen farblich
und im Erscheinungsbild völlig unterschiedlich gestaltet sind. Viele
Freiburger/innen empfingen dies als eine ästhetische Zumutung.
All diese Erscheinungen – und viele ähnlicher Art – dominieren in den
letzten Jahren zunehmend das Freiburger Stadtbild. Es scheint keine
Grenzen zu geben. Ist diese Entwicklung allein deshalb
zu rechtfertigen, weil sie der Stadt und der städtischen Betriebe
zusätzliche Einnahmen einbringt? Es bedarf keiner weiteren Erläuterung,
dass es für die gewünschte Debatte unerlässlich ist, den Gemeinderat umfassend über
die Einnahmen der Stadt und der Betriebe mit städtischer Beteiligung
durch die verschiedenen Werbeblöcke zu informieren.
Vor allem aber ist für die Diskussion entscheidend, welche Kriterien
die Stadt für die Zulassung von Werbung im öffentlichen Raum bisher
anlegt. Welche Möglichkeiten hat die Stadt – unter Berücksichtigung der
Erfahrungen anderer Städte – die Werbung im öffentlichen Raum auf ein
erträgliches Maß zurückzufahren.
Freiburg, 10.7.2008
Irene Vogel