Flächennutzungsplan
Freiburg, 30.11.04
Am 3.5.2000 hat der Freiburger Gemeinderat mit großer Mehrheit einer
Beschlussvorlage des damaligen OB Böhme zu einem Flächennutzungsplan
2010 zugestimmt, die ein Szenario 3 mit einem zukünftigen Flächenbedarf
von Wohnraum von 158 ha sowie einen Gewerbeflächenbedarf von 25 ha
und einem sonstigen Flächenbedarf von 80 ha vorsah, zusammen ein
Gesamtbedarf von 263 ha.
Von diesen Zahlen sind wir im im Sinne einer Reduzierung der
Flächeninanspruchnahme ein gutes Stück weggekommen. Wir bewegen
uns jetzt bei einem größeren Zeitfenster bis 2020 bei Wohnbauflächen
zwischen 100 und 100 ha, Gewerbe zwischen 25 und 41 gemischte
Flächen von 4 bis 7 ha.Was hat sich verändert:
Wollte die Vorlage von 2000 der Wanderungsbewegung von der Stadt in das
Umland durch großzügige Wohnraumangebote Einhalt gebieten, ohne die
Folgen ständig sich ausweitenden Flächeninanspruchnahme zu sehen, so
beginnt die Vorlage v. 29.10.04 mit der Verpflichtung, im Interesse
unserer und vor allem zukünftiger Generationen den Flächenverbrauch so
weit wie möglich zu reduzieren. Dies ist ein anderer und richtiger
Ansatz.
Die Prognose von 2000, wonach mit einem Inneren Bedarf von 0,5 qm pro
Jahr und Einwohner gerechnet werden müsse, wurde halbiert.
Das Innenentwicklungspotential wurde geprüft und festgestellt, dass
runde 25 ha in Anspruch genommen werden können ohne zusätzliche
Bebauung im Außenbereich.
Wir meinen, dass im Verlauf der Bürgerbeteiligung an diesen Punkten weitergedacht werden muß:
1. Ist der jetzt immer noch angenommenen innere
Bedarf von 0,2-0,25 qm/Jahr tatsächlich das letzte Wort. Es handelt
sich ja um eine theoretische Annahme., die sich aus unterschiedlichen
Faktoren wie Statistik, Wohlstand, Lebensform und so weiter
zusammensetzt. Es kann sehr wohl vertreten werden, dass sich über
die Jahre hinweg die unterschiedlichen Einflüsse ausgependelt haben und
deshalb eine Stabilisierung eingetreten ist, mit der Folge, dass
ein Wohnflächen-Nullwachstum angemessen ist.
2. Die Möglichkeiten einer Bebauung durch
Innenentwicklung ist möglicherweise noch nicht ausgereizt. Hier sind
vielfältige Ansätze denkbar: so wurde über Jahrzehnte in den Gewerbe-
und Mischgebieten ein Flächenfraß betrieben, der zwar nicht mehr
überall korrigierbar ist, in Einzelfällen aber durch mehrgeschossige
Bauweise, wo jetzt nur ein Geschoß besteht, vielleicht doch.
Dieser Weg ist mühsam, Prise hat sich da bereits verdient gemacht,
dieser Weg ist aber noch nicht zu Ende gegangen.3.
3. Bei unserer Rundfahrt durch die vorgesehenen
Gebiete war häufig von gehobenem Wohnbedarf die Rede. Eine
Stadtentwicklung, die nur darauf Rücksicht nähme, wäre in Zeiten
steigender Armutszahlen verfehlt. Wir müssen uns Gedanken machen, wo
die Menschen wohnen sollen, denen nach Hartz IV unter 6€/m2 für Miete
noch zur Verfügung stehen. Sozialer Wohnbau ist nur möglich, wenn die
Stadt auch Grundstücke zu entsprechend niedrigen Q Preisen für solchen
Wohnbedarf ausweist. Ansonsten werden schwerwiegende soziale Konflikte
vorprogrammiert.
4. Neue Baugebiete bedürfen einer neuen
Infrastruktur, mal mehr , ,mal weniger. Nach der Zwischenbilanz
der Stadt Freiburg 1997 über das Rieselfeld kostete die Herstellung
dieses Stadtteils mit 78 ha für 12000 Menschen runde 146 Mio. € (Von
der Planung zur Realisierung). Was wir alle nicht wissen ist, was die
Bebauung der einzelnen Flächen die Stadt kostet, eine Frage, die
angesichts der Haushaltslage mehr als berechtigt ist.
5. Ohne die Vorlage des integrierten VEP kann über
den FNP nicht beschlossen werden. Dieser Teil des FNP muss der gesamten
Bürgerschaft im Beteiligungsprozess zugeführt werden.
Schließlich: der beschlossene Beteiligungsprozess ist beispielhaft für
die Bürgerbeteiligung. Die Stadt wird sich in Zukunft daran messen
lassen müssen, ob sie auch in anderen zentralen Bereichen der
Stadtentwicklung, wie vor allem der Umgestaltung der
Verwaltungsstruktur und der Haushaltsentwicklung daraus gelernt hat und
die BürgerInnen in ähnlicher Weise in den Entscheidungsprozeß
einbezieht. In diesem Sinne stimmt unsere
Fraktionsgemeinschaft der Aufstellung zu und hofft auf eine intensive
Bürgerbeteiligung.
Michael Moos