Eigenbetr. Theater
Freiburg, 25.1.05
Gespaltene Abstimmung in der Fraktion
Jedoch keine kontroverse Diskussion
Es gibt gute Argumente pro und contra Umwandlung der städtischen Bühnen in einen Eigenbetrieb
Darin sind wir uns einig
Nur in der Abwägung der Gewichtung der verschiedenen Argumente unterscheiden wir uns,
daher ein unterschiedliches Abstimmungsverhalten.
Ich werde der Vorlage NICHT zustimmen.
Dabei stimmt die Tatsache, dass fast alle Experten und Theaterleute diese Umwandlung wollen, durchaus bedenklich.
Und natürlich muss das Theater die Möglichkeit haben, schneller und
effizienter zu arbeiten und sollten Entscheidungen näher am Problem
selbst getroffen werden können
Und natürlich kann die Umwandlung in einen EB hierbei förderlich sein.
Dennoch bleiben Bedenken, die mich dazu bringen, für einen weiter
optimierten Regiebetrieb zu votieren, so wie es auch der örtliche
Personalrat tut.
Wir haben heute einen Grundsatzbeschluss zu fassen. Vieles wird aber
erst in einer Satzung des Eigenbetriebes und in einem
„Überleitungsvertrag“ geregelt werden, den wir erst im März vorgelegt
bekommen. Wohin die Reise eines Eigenbetriebes dann gehen wird, wird
sich in vielen Punkten erst dann erweisen, das „Go“ sollen wir aber
jetzt schon geben.
Heute heißt es, dass relevante Grundsatzentscheidungen weiterhin dem
Gemeinderat vorbehalten bleiben sollen. Wer sagt uns, dass diese
Aussage auch in 10 Jahren noch Gültigkeit hat.
Die Verwaltung will dass der zu bildende „Werksauasschuss“ der
gemeinderätliche Hauptausschuss sein soll. Im Hauptausschuss sitzen die
Verwaltungs- und Finanzfachleute der Fraktionen, nicht unbedingt die
Kulturexperten. Das legt den Verdacht nahe, dass es bei der geplanten
Umwandlung und bei der künftigen politischen Begleitung des EB Theater
durch die Politik eben vornehmlich um Finanzfragen und nicht um die
Sicherung eines künstlerischen Standards gehen soll.
Ein wesentliches Argument für die Umwandlung war die Behauptung, dann
könne das Wirtschaftsjahr des EBs dem Spieljahr angepasst werden könne.
Es hat sich gezeigt, dass entgegen der Auffassung der Verwaltung dies
auch in einem optimierten Regiebetrieb möglich ist. Auch wenn dies
kompliziert wäre: wenn die Vorteile so beträchtlich sind, dann sollten
wir das tun. Wenn die Vorteile den Nachteil des komplizierten
Verfahrens nicht ausgleichen, dann sind sie eben nicht so bedeutend.
Einsparmöglichkeiten, so sagt uns die Vorlage zutreffenderweise, sind mit der Umwandlung per se nicht zu erwarten.
Es stellt sich sogar die Frage, ob nicht der Fall eintreten kann, dass
der EB zur Bewältigung von Aufgaben, die bisher von städtischen
Querschnittsämtern geleistet wurden, neues, zusätzliches Personal
einstellen muss. Umgekehrt kann (muss nicht: kann) es sein, dass in den
städtischen Querschnittsämtern Potential frei wird, wenn keine
Leistungen für das Theater erbracht werden müssen. Hier würde, sofern
es hierfür keinen Ausgleich in Form eines höheren städtischen
Zuschusses an den Eigenbetrieb gegenüber dem heutigen Zuschuss, die
Stadt finanziell entlastet auf Kosten einer zusätzlichen Belastung des
Theaters.
„Die bisher im Regiebetrieb praktizierte Einbeziehung von Gemeinderat
und städt. Repräsentanten in prägende Prozesse des Theaters
verdeutlicht den Bürgern die Verbundenheit mit ihm, unterstützt die
Wertschätzung des Theaters und seinen kulturellen Auftrag“, schreibt
der Personalrat. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Schließlich müssen wir uns die Frage stellen, ob es richtig sein kann,
mit dem Argument fehlender Effektivität immer mehr Bereiche aus der
städtischen Verwaltung auszugliedern, sei es in Eigenbetriebe oder in
städtische GmbHs oder in Form völliger Privatisierung.
In jedem Falle geht mit diesen Maßnahmen – einmal mehr und einmal
weniger – ein Stück Transparenz und Öffentlichkeit verloren und damit
ein Stück öffentlicher Kontrolle und demokratischer
Einflussmöglichkeiten. Und die Erfahrung hat tausendfach gezeigt, dass
auf lange Sicht es eben genau Transparenz und öffentliche
Kontrolle sind - und nur die – die Effektivität und
bürgerInnenfreundlichen Service gewährleisten und sichern könen.
Mit jedem Beschluss zur Umwandlung in einen Eigenbetrieb oder zu einer
Privatisierung mit dem Argument fehlender Effektivität reden wir unsere
Verwaltung schlecht und demotivieren die MitarbeiterInnen in der
Stdatverwaltung. Und mit jedem solchen Beschluss verzichten wir ein
Stück darauf, wirklich alles daran zu setzen, unsere Stadtverwaltung
noch effizienter, noch bürgerInnnenfreundlicher und sachkompetenter zu
machen. Genau dies müsste aber unsere Aufgabe sein.
Hendrijk Guzzoni