Ergänzende Tarifangebote bei der VAG
Freiburg, 14.12.04
Die Debatte um die „erganzenden Tarifangebote bei der VAG“ hat in den
letzten Tagen eine unerwartete Brisanz bekommen durch die Ankündigung
der VAG, in diesem Jahr wiederum an der Preisschraube zu drehen und die
Preise für die Regio-Karte auf über 40 Euro zu erhöhen.
Im nächsten Jahr werden Tausende von Menschen in Freiburg durch die
Regelungen des neuen ALG II, durch Hartz IV, mit einer drastischen
Absenkung ihres ihnen zur Verfügung stehenden Einkommens konfrontiert
sein.
Bereits in den letzten Jahren hatte unsree Fraktionsgemeinschaft immer
wieder darauf hingewiesen, dass die Preise für die Regio-Karte längst
in Regionen angelangt ist, in denen sie für einen Teil der Bevölkerung
nicht mehr erschwinglich ist – so gut das Angebot auch ist und so gut
die Regio-Karte im Preis-Leistungs-Verhältnis in Relation zu anderen
Tarifen im ÖPNV auch dasteht. Diese Tendenz wird sich im neuen Jahr
verschärfen.
Dies hat zum einen soziale Konsequenzen: viele Menschen werden sich das
Fahren mit dem Bus oder der Tram schlicht nicht mehr leisten können.
Eine weitere Deklassierung kommt für diese Menschen zu all ihrer Not
noch hinzu.
Es hat aber auch Konsequenzen für die VAG: schon jetzt hat die VAG
Schwierigkeiten, steigende Betriebsausgaben mit steigenden
Fahrgastzahlen zu kompensieren. Wir sind in einem Bereich angekommen,
in dem steigende Preise zu sinkenden Fahrgastzahlen führen können und
damit zu einem steigenden Defizit bei den Betriebsausgaben.
Die Konsequenz aus den angesprochenen sozialen Gegebenheiten wäre die,
endlich ein Sozialticket einzuführen, dass Menschen, die sozial
benachteiligt sind, den Erwerb einer regio-Karte auch ermöglicht.
Und es ist in der Tat angesichts dieser Situation schwer verständlich,
wie wenig Interesse die VAG und wie wenig Interesse der Freiburger
Gemeinderat in der Einführung einer neuen Tarifstruktur haben.
Vor 20 Jahren war die Umweltkarte innovativ und vorbildlich – und sie
war mit 38 DM ausgesprochen günstig. Heute kostet die RegioKarte mehr
als das Doppelte: aber der Reallohn der Beschäftigten – von den
Erwerbslosen ganz zu schweigen – hat sich in den letzten 20 Jahren eben
keineswegs verdoppelt.
Es ist an der Zeit, dass in der selbsternannten Umwelthauptstadt
Freiburg wieder innovativ und zukunftsorientiert gedacht wird. Es
ist an der Zeit, endlich neue und soziale Aspekte in die Tarifstruktur
des ÖPNV einzubringen. Z.B. durch die Erarbeitung eines Solidarmodells
für den ÖPNV in der gesamten Regio, eines Solidar-Modells, wie es beim
Studi-Ticket hervorragend funktioniert.
Hendrijk Guzzoni