Widerstand gegen den Verkauf
PE vom 30. Juni 2006
Die weitgehenden Forderungen der von OB Salomon vorgestellten
Sozialcharta zeigen, wie ernst der OB den Widerstand gegen den Verkauf
der städtischen Wohnungen nehmen muss. Aber niemand soll sich Sand in
die Augen streuen lassen. Eine jetzt beschlossene Kaufbedingung ist
eine Sache, der endgültige Kaufvertrag eine ganz andere. Man geht
selten aus Verhandlungen so raus, wie man in sie hineingegangen ist.
Schon häufig mussten der Gemeinderat und seine Ausschüsse erleben, daß
Investoren nicht bereit waren, Bedingungen des Gemeinderates zu
akzeptieren, weil sie die Verwertung des fraglichen Objektes erschwert
hätten und immer sind Gemeinderatsmehrheit und Verwaltung letzten Endes
eingeknickt. Letzte Beispiele sind die Bebauung des Messplatzes oder
der illegale Steg im Bahnhofsneubau. Salomons Linie macht die
Stadt in hohem Maße erpressbar, wird doch die gesamte städtische
Zukunft an den Verkauf der städtischen Wohnungen geknüpft. Da
Alternativen ganz bewusst nicht entwickelt werden, macht sich die
Stadt abhängig vom Verkauf: es muss dann verkauft werden und die
Bedingungen wird letzten Endes der diktieren, der 500 Mio.€ und mehr
auf den Tisch legt. Darüber hinaus lässt die Charta auch in
unveränderter Form bei billigen unter dem Mietspiegel liegenden
Wohnungen Mieterhöhungen von 3% zuzüglich Preissteigerungsrate im Jahr
zu, was gerade für die sozial schwächsten eine große Belastung
bedeutet. Er kann nicht verhindern, daß der neue Eigentümer
Modernisierungen durchführt und danach die Wohnungen zu teuer für die
bisherigen Mieter sind. Er gibt keine Antwort auf die Frage, wo die
vielen sozialen Wohnprojekte, u.a.. für behinderte Menschen,
bleiben werden. Der Wohnungsverkauf ist entgegen allen Beteuerungen des
OB nicht zum Null-Tarif für die Mieter und Mietrinnen zu haben.
Sie allein werden die große Spanne zwischen der jetzigen Rendite und
der von jedem Investor vorausgesetzten von 10% und mehr aufzubringen
haben.
Michael Moos