Verwaltungsreform
PE vom 29.November 2004
Sehr geehrte Damen und Herren,
die von OB Salomon am vergangenen Samstag dem Gemeinderat vorgetragenen
Überlegungen werden von uns Punkt für Punkt überprüft werden. Bereits
jetzt lässt sich aber folgendes für unsere Fraktionsgemeinschaft sagen:
1. Haushaltslage
Wie vorauszusehen war, werden die Großprojekte Konzerthaus sowie Neue
Messe noch auf Jahre hinaus den städtischen Haushalt in gravierender
Weise belasten und dringend notwendige Investitionen in den für
Freiburg zentralen Bereichen Bildung, Kultur, öffentlicher Nahverkehr
und Ökologie erschweren oder verunmöglichen. Allein die
Verlustabdeckung der FWT belastet den Haushalt fortlaufend mit runden 6
Mio.€ pro Jahr. In einer solchen Situation weitere 26 Mio. € in eine
Erweiterung der Neuen Messe zu investieren ist unverantwortlich. Ein
Ergebnis ist, dass von den beschlossenen Investitionen aus dem
Vermögenshaushalt nach den vorgelegten Streichungsplänen gerade noch 15
% übrig sind. Immer wieder zugesagte Projekte wie das
Jugendzentrum Chummy für Betzenhausen sollen danach weiter verschoben
werden.
Angesichts des Lochs von rund 20 Mio. € im Verwaltungshaushalt ist es
unverantwortlich, dass die Verwaltung eine auch nur maßvolle Anhebung
städtischer Einnahmen ablehnt. Eine Anhebung der Gewerbesteuer auf das
Niveau anderer baden-württembergischer Großstädte wäre nach der letzten
Anhebung am 1.1.91 überfällig.
So könnte auch eine noch über die „Giftliste“ des letzten
Doppelhaushaltes hinausgehende weitere Streichung von Zuschüssen für
soziale und kulturelle Einrichtungen sowie im Sport vermieden
werden. Gerade durch diese vorgesehenen Kürzungen in der Summe
von weiteren 10% werden gravierende Verschlechterungen der
Lebensqualität und nicht abschätzbare Folgekosten produziert.
2. Neustrukturierung der Verwaltung
Die Einrichtung einer städtischen Projektgruppe begrüßen wir. Wir
wünschen uns eine transparente Arbeitsweise dieser Gruppe und werden
die Vorschläge an dem von OB Salomon formulierten Ziel messen, nämlich
nicht nur eine effizientere Verwaltung zu schaffen, sondern besseren
Bürgerservice und bessere Bürgerorientierung. Dafür gibt es bereits
jetzt viele positive Beispiele, wie das neu strukturierte Bürgerbüro,
die Stadtbücherei oder den Mundenhof.
Die von der Verwaltung beabsichtigte Ausschreibung der städtischen
Bäder auf einen privaten Träger ist der falsche Weg. Wer weniger
Bäder nur noch mit billigen Aushilfen statt mit qualifizierten
Bademeistern betreiben lassen will, dem geht es gerade nicht um
„besseren Bürgerservice“.
3. Vorschläge unserer Fraktionsgemeinschaft
Salomon, Neideck und eine Gemeinderatsmehrheit verfolgen erklärtermaßen
den neoliberalen Kurs einer Konsolidierung der Finanzen durch „weniger
Staat“. „Weniger Staat“ wird als positiver Wert an sich gesehen.
Unsere Fraktionsgemeinschaft wird sehr genau prüfen, ob es sich
tatsächlich nur um Abbau von unnötiger Bürokratie handelt, oder ob es
um weniger Bäder, schlechteres Theater, Verzicht auf
anspruchsvolle Stadtentwicklung und ökologische Ziele geht.
Betriebsbedingte Kündigungen schließen wir kategorisch aus.
Wir halten angesichts der vorgesehenen einschneidenden Maßnahmen eine
verstärkte Einflussnahme der Öffentlichkeit für notwendig. Wir werden
OB Salomon die Durchführung von 4-6 stadtteil/stadtbezirksorientierten
Bürgerversammlungen zu den Themen Haushalt und Neustrukturierung
vorschlagen. Wir sehen in solchen Veranstaltungen einen ersten Schritt
für einen überfälligen Ausbau der Bürgerbeteiligung über den neuen
Flächennutzungsplan hinaus. Freiburgs BürgerInnen müssen ein
Mitspracherecht erhalten bei den zentralen Fragen ihrer Stadt, den
Dienstleistungen ihrer Verwaltung und der Verwendung ihrer Steuern.
Michael Moos, Fraktionsvorsitzender