Geht nicht, gibt’s nicht – Alternativen entwickeln!
PE vom 29. Juni 2006
Folgt man den jüngsten Erklärungen von Grünen/CDU und Freien Wählern,
so ist der Verkauf der städtischen Wohnungen ein Akt „sozialer
Gerechtigkeit“ und „Nachhal-tigkeit“. Das müssen die Mieter der
Stadtbau als Hohn empfinden. Was hat es mit sozialer Gerechtigkeit zu
tun, wenn ausschließlich die Mieter der Stadtbau die Zeche für einen
maroden Haushalt bezahlen sollen? Sind sie für die Steuerpolitik
verant-wortlich, haben sie die Erweiterung der Neuen Messe vor 2 Jahren
beschlossen? Und was hat es mit Nachhaltigkeit zu tun, daß mit dem
Verkauf des verwertbaren Immobilienbesitzes der Stadt für alle
zukünftigen Generationen vollendete Fakten geschaffen werden. 25.000
Unterschriften für einen Bürgerentscheid – gegen den Verkauf – sind
eine deutliche erste Antwort. Doch entscheidend wird die Abstimmung im
Bürgerentscheid sein.
Nach dem Ja von CDU/Grünen/Freien Wählern zum Verkauf kann nur ein
erfolgrei-cher Bürgerentscheid diesen verhindern. Die „Sozialcharta“
kann die grundlegenden Probleme eines Eigentümer-Wechsels nicht
beseitigen: die Mieten werden unstreitig steigen, der Mieter wird
alleine die Auseinandersetzung mit dem Vermieter zu führen haben über
Luxussanierungen, Umsetzungen etc., die Mietermitbestimmung wird der
Vergangenheit angehören. Ghettoisierungen sind zu befürchten, wie die
Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, konkrete soziale Wohnprojekte
für Alleinerziehende, Behinderte, Jugendliche von der Straße, werden
viel schwerer zu realisieren sein. Eine demokratische Kontrolle des
Gemeinderats auf Mieten und Wohnungspolitik würde verschwinden.
Der Verkauf von 7.900 Stadtbau-Wohnungen ist keine seriöse Antwort auf
die Haus-haltsprobleme der Stadt. Auch wenn die, die diesen Verkauf
betreiben, es ständig bestreiten: realistische Vorschläge, den Haushalt
langfristig zu sanieren, haben bis-her nur die Gegner des Verkaufs
gemacht, z.B. eine 10% Erhöhung von Grund- und Gewerbesteuer=12
Mio.€/Jahr, Ausschüttung der Sparkassen-Gewinne= 3 Mio.€/Jahr, Verkauf
der städtischen Erbbau-Grundstücke an eine zu gründende „Bürger-gGmbH“
für ca. 150 Mio.€, Entlastung des Haushaltes um ca. 8 Mio.€/Jahr
(Vorschlag Mietshäuser-Syndikat). Diese und andere Vorschläge müssen
endlich ernsthaft diskutiert und nicht nur abgebügelt werden. Aber dazu
werden die Bürger Freiburgs ihre Verwaltung mit dem Bürgerentscheid im
Herbst zwingen.
Michael Moos