Gemeindeparlament in der NS-Zeit
Herrn Oberbürgermeister
Dr. Dieter Salomon
per Fax 201-1199
Freiburg, 10.5.2005
Antrag zu TOP 1 der Sitzung des Gemeinderats am 10.5.2005
Aufarbeitung der Geschichte des Freiburger Gemeinderats in der Zeit von 1933-1945
Der Gemeinderat möge beschließen:
Der Gemeinderat möchte sich seiner Geschichte und seinem Anteil an der
Durchsetzung des Nationalsozialismus in Freiburg stellen. Der
Gemeinderat beauftragt die Verwaltung, in geeigneter Form einen
umfassenden Bericht über die Rolle des damaligen Gemeindeparlamentes in
der NS-Zeit vorzulegen.
Begründung:
Die „Geschichte der Stadt Freiburg“ (Bd. 3) enthält bereits einige
bedrückende Belege dafür, in welcher Weise auch Stadtrat und
Stadtverwaltung durch eine Mischung von Unterdrückung und Gefügigkeit
zu gleichgeschalteten Machtorganen des NS-Staates wurden. Am Morgen des
6. März hisste eine SA-Abordnung entgegen eines Verbotes das
Hakenkreuz-Banner auf dem Rathaus. Das konnte ebenso ungestört
geschehen wie wenig später am 20. März 1933 nach der Festnahme
führender KPD-Funktionäre die In-Schutzhaftnahme sämtlicher Stadträte
der SPD. An anderer Stelle notiert die Freiburger Stadtgeschichte:
„Simon Strauß, der Inhaber des Freiburger Modehauses Maier in der
Schusterstraße 26, war bei der ersten Sitzung des neuen
Bürgerausschusses am 10. Mai 1933 anwesend. Weil er sich nicht von
seinem Sitz erhob, als Hindenburg, Hitler und Gauleiter Wagner zu
Ehrenbürgern der Stadt erklärt wurden, kam er in Schutzhaft.
gez. Michael Moos
Fraktionsvorsitzender