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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 19.11.2017

Energiekonzept Gutleutmatten

Gutleutmatten Stellungnahme Dr. Lenk + Kommentar Dr. Neumann

application/pdf Gutleutmatten Kommentar Dr. Neumannn (185 KByte)
Baugruppeninitiative Gutleutmatten
AK-Energie

Sehr geehrte Gemeinderätinnen und Gemeinderäte der Stadt Freiburg,

in Sorge, dass von Freiburg ausgehend in der Welt verbreitet wird, dass "innovative Zukunftshäuser" hohe Heizkosten haben müssen und um aufzuzeigen, dass es viele Alternativen gibt, die man hätte eigentlich prüfen müssen, schaltet sich der ehem. Leiter des Energiereferats der Stadt Frankfurt am Main Dr. Werner Neumann in die Diskussion um das Freiburger Versorgungskonzept im Baugebiet Gutleutmatten ein. Er kritisiert das Nahwärmekonzept deutlich, er widerlegt die Hauptargument der Stadtverwaltung und der badenova und rät von einer Umsetzung ab. Sie sei weder ökonomisch, noch ökologisch sinnvoll.

Von der Feststellung ausgehend dass im Baugebiet Gutleutmatten der Wärmepreis auf dem Niveau von Bestandsbauten liegt, obwohl das Stadtgebiet mit modernem Energiestandard KfW 55 geplant wurde, untersucht Dr. Werner Neumann die Faktoren, die zu diesen Preisen führen. Kernaussagen der Stellungnahme sind:

Der Einsatz von Biogas verteuert den Energiepreis von 15,14 ct/kWh brutto auf 18,62ct/kWh brutto. Dadurch werden im Jahr ca. 500 t CO2eingespart, spezifisch sind dies ca. 150 €/t CO2. durch die Nutzung von Bioerdgas. (Anmerkung: Anders ausgedrückt: mit dem Geld von 150 Euro pro Tonne vermiedener Emissionen könnten durch sinnvollere Maßnahmen weitaus mehr als nur 1 Tonne Treibhausgase eingespart werden. Damit macht  auch der sehr hohe Preis die Maßnahme gegenüber anderen ökologisch fragwürdig, denn andere Maßnahmen könnten zu geringeren Kosten höhere Emissionseinsparungen erreichen.)

Die solarthermische Anlage soll im Sommer die Wärme liefern, damit das Wärmenetz abgeschaltet werden kann. Die sonst auftretenden Verluste der Wärmelieferung sollen hierdurch abgedeckt werden. Allerdings verteuert dieses Konzept die Gesamtkosten und wird dadurch zum Paradoxon. Ohne Solarthermische Anlage würden sich zwar höhere Verluste im Wärmenetz ergeben, andererseits würde das BHKW mit einer höheren Jahresnutzung besser ausgelastet. Das verteuert den Energiepreis von 15,15 ct/kWh auf 18,62ct/kWh brutto

Die Solaranlage ist notwendigerweise um das ca. Dreifache überdimensioniert, weil diese auch an weniger sonnigen Tagen zwischen Mai und August so viel Wärme liefern muss, um das Wärmenetz abschalten zu können. Dies bedeutet aber, dass von dem Gesamtertrag etwa ein Drittel der Solarwärme nicht genutzt werden kann und nicht in der Bilanz erscheinen dürfte. Daher ist die Solarwärme spezifisch sogar noch teurer.

Der Einsatz einer überdimensionierten Solarthermie sorgt zugleich für die Verteuerung der Wärme aus dem BHKW. Diese Kombination KWK-Wärme und Solarthermie – mit dem Anspruch den Wärmebedarf in 3-4 Monaten vollständig aus Solarthermie zu decken – ist daher nicht sinnvoll.

Das Konzept hat nichts mit Innovation zu tun, betont der Experte mit 25 Jahren Berufserfahrung im kommunalen Klimaschutz. Es wurde  keine ausreichende Variantenoptimierung vorgenommen und nicht integral geplant. Mit dem Einsatz eines BHKW und Solarthermie sind zwei gute und effiziente Technologien im Einsatz, die allerdings überdimensioniert geplant wurden und die Kosten gegenseitig in die Höhe treiben.

Energieeffizienz wurde nicht, beziehungsweise unzureichend in das Konzept eingeplant, obwohl sie zumeist kostengünstiger als (Energie)Versorgung ist: weder wurde scheinbar über eine bessere Dämmung der Leitungen nachgedacht (Transferverlust 20 %), noch wurde die Gebäudedämmung nach KfW 40 in Betracht gezogen.

Dr. Neumann rechnet verschiedene Varianten grob durch und kommt dabei auf Wärmepreise, wie sie beispielsweise im Baugebiet Güterbahnhof verlangt werden. Bei teilweise 50 % Energieverbrauch zum jetzigen System.

Vor dem Hintergrund dieser teuren Fehlplanungen (der Experte spricht von über 4,8 Millionen Mehrkosten in den nächsten 4 Jahrzehnten) wollen wir den Gemeinderat an die Umsetzung des Gemeinderatsbeschlusses zur Energieversorgung im Gutleutmatten erinnern. Hier eine Wiederholung der Drucksache G13/004 im Wortlaut:

„Mit der Förderung durch das Bundesumweltministerium können die Mehrkosten der innovativen Aspekte entsprechend kompensiert und ein akzeptabler Energiepreis erreicht werden, der vergleichbar mit anderen Nahwärmegebieten in Freiburg ist. Dies wird in einer Vereinbarung mit der badenova auch vertraglich festgeschrieben.“

Dr. Werner Neumann hofft, dass seine Hinweise zu einer konstruktiven Diskussion über die noch machbaren Alternativen im Baugebiet Freiburg Gutleutmatten beitragen, dass einvernehmliche Lösungen gefunden werden und dass bei künftigen Bauplanungen eine breitere Palette von Varianten geprüft werden, die sowohl den Klimaschutz als auch die Kostensenkung für die Nutzer zum Ziel haben. Die Baugruppen können sich da nur anschließen und hoffen, dass endlich einmal inhaltliche Lösungen diskutiert werden können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Herbert Lenk
für den Arbeitskreis Energie


Guteleutmatten Antwort Stadt

application/pdf Antwort Stadt (130 KByte)


Gutleutmatten Stellungnahme Stadt

application/pdf Stellungnahme Stadt (375 KByte)
Stellungnahme Stadt zu Ausfuehrungen von Dr. Neumann