Schwarze Stunde des Gemeinderats
Amtsblatt 444, 25. November 2006
Eine seiner schwärzesten Stunden erlebte der Freiburger Gemeinderat am
21.11. 2006 als der grüne Oberbürgermeister Dr. Salomon kurzerhand den
Tagesordnungspunkt „Verkauf der FSB – Ergebnis des Bürgerentscheides“
absetzte. Der OB eröffnete den staunenden Mitgliedern des Gemeinderates
wie auch den zahlreichen ZuhörerInnen auf der Empore, man habe den
Punkt auf die Tagesordnung gesetzt in der Annahme, der Bürgerentscheid
werde nicht erfolgreich sein. Nun sei nichts mehr zu diskutieren, eine
Debatte würde die „Gräben nur vertiefen“. Die Unabhängigen Listen
werten die Absetzung dieses Tagesordnungspunktes als eine grobe
Missachtung des Instruments Bürgerentscheid und insbesondere der rund
60.000 Menschen, die am 12.11. zur Urne gegangen sind, um über eine der
wichtigsten politischen Punkte der letzten Jahre zu entscheiden.
Nachdem es tage- und wochenlang geheißen hatte, alle müssten wieder
miteinander reden und man warte gespannt auf die Finanzvorschläge der
Verkaufsgegner, war der OB nun nicht einmal dazu bereit, sich diese
anzuhören, geschweige denn den Gemeinderat über diese diskutieren zu
lassen. Größer kann ein Armutszeugnis, das sich ein Oberbürgermeister
selbst ausstellt, kaum sein.
Die Fraktionsgemeinschaft der Unabhängigen Listen hatte bei dieser
Debatte folgende Punkte ansprechen wollen (das gesamte Redemanuskript
unter www.fraktion-ul.de oder www.hendrijk-guzzoni.de):
Das Ergebnis des Bürgerentscheids ist nicht nur eine klare, eindeutige
Absage an die Pläne, die FSB und ihre Wohnungen und die entsprechenden
Grundstücke zu verkaufen, sondern auch an eine Politik des
Gegeneinander-Ausspielens von Wohnungen und Zuschüssen für soziale und
kulturelle Initiativen; viele Menschen wird dieser Erfolg Mut machen,
sich gegen die fortwährende Privatisierungen öffentlichen Eigentums zur
Wehr zu setzen;
dies war der erste erfolgreiche Bürgerentscheid in der Geschichte
Freiburgs, dies ist ein großer Erfolg für die direkte Demokratie und
politische Einmischung von unten.
Weiter wollte die Fraktionsgemeinschaft am 12.11. konkrete Vorschläge unterbreiten:
zur Haushaltssanierung: Abführung von 25% der Gewinne der Sparkasse,
Verkauf der 1000 städtischen Wohnungen an die Stadtbau GmbH, 10%ige
Erhöhung der Gewerbe- und der Grundsteuer, sowie eine Reihe von
weiteren Maßnahmen, u.a. die Erarbeitung eines nachhaltigen, sozial
ausgewogenen und geschlechtergerechten Entschuldungsplanes bis 2015.
Außerdem schlägt die UL die Bildung eines Arbeitskreises „genossenschaftliches Wohnen“ vor.