Noch sechs Wochen bis zum Bürgerentscheid
Amtsblatt 440, 30. September 2006
Nur ein Erfolg des Bürgerentscheids, der mit 38.000 JA-Stimmen
erreicht wird, kann verhindern, dass die Stadtbauwohnungen und
–grundstücke nächstes Jahr verkauft und zum Spekulationsobjekt einer
meistbietenden Bank oder Immobiliengesellschaft werden.
Salomon und Neideck behaupten, mit dem Verkauf eine völlige
Entschul-dung und nachhaltige Konsolidierung des Haushaltes zu
erreichen. Tat-sächlich hat die Stadt 320 Mio. € Schulden, von denen
aber nur runde 90 Mio. bis Ende 2007 rückzahlbar sind. Für den großen
Rest von 230 Mio. € wird die Stadt weiterhin Zins und Tilgung zahlen
müssen. Der Großteil ei-nes Verkaufserlöses würde angelegt. Dessen
Zinseinnahmen werden die Ausgaben nicht ausgleichen können. Es bleiben
also laufende Zahlungen aus dem Verwaltungshaushalt in bisher nicht
bekannter Höhe bestehen.
Dazu kommt, dass die Stadt hinsichtlich der Entwicklung der
Steuerein-nahmen bisher wenig auskunftsfreudig ist. Früher, bei
sinkenden Steuer-einnahmen des Bundes, hieß es von Neideck immer, 1
Milliarde weniger für den Bund bedeutet rund eine Mio. weniger
Steuereinnahmen in Frei-burg. Wie ist es aber, wenn der Bund 10
Milliarden mehr einnimmt, wie für das lfd. Jahr zu lesen war? Und wie
verhält es sich mit den Gewerbe-steuereinnahmen bis 30.09.06? Es
verstärkt sich der Eindruck, dass die Lage dramatisiert wird, um einen
Verkauf der Stadtbau als unausweichlich erscheinen zu lassen.
Von einer nachhaltigen Konsolidierung des Haushaltes kann ohnehin bei
einem Verkauf keine Rede sein. Nachhaltigkeit sieht entschieden anders
aus. Die Stadt veräußert unwiderruflich ihr wichtigstes Anlagevermögen
und ihre lukrativste Tochtergesellschaft. Runde 10 Mio. € hat die
Stadtbau 2005 erwirtschaftet und dabei viel in den Erhalt der
Bausubstanz inves-tiert. Nach einem Verkauf, an wen auch immer, werden
ganze Straßenzü-ge nach und nach verkommen, während andere modernisiert
für die Alt-mieter zu teuer werden. Das alles wird nicht mehr eine
städtische Gesell-schaft unter Aufsicht des Gemeinderates entscheiden,
sondern der Vor-stand einer Aktiengesellschaft. Das lokale Handwerk
wird bei Aufträgen das Nachsehen haben, mit entsprechenden Auswirkungen
auf die Gewer-besteuer. Glaubt irgendjemand, dass die die ökologischen
Ziele der Stadt mit Hauseigentümern wie Fortress zu realisieren sind?