Kultur-Stadt vor der Spaltung – politische Kultur am Ende?
Amtsblatt 435, 8. Juli 2006
Kultur-Stadt vor der Spaltung – politische Kultur am Ende?
Jüngst hat der OB mit Kulturleuten geredet. Das Gespräch war wenig
ergiebig, so hörte man. Die Kulturschaffenden zeigten wenig Verständnis
für die Drohkulissen, die OB Salomon versuchte aufzubauen, indem er den
Wohnungsverkauf und weitere Kürzungen als die einzige Möglichkeit einer
Haushaltskonsolidierung darstellte. Längst sind andere Modelle in der
Diskussion, zu denen die Bürgerschaft allerdings ausreichend mehr Zeit
für eine demokratische Debatte bräuchte. Jetzt soll eine Sozialcharta
die soziale Verträglichkeit der Wohnungsverkäufe garantieren. Aber
Papier ist geduldig, wie wir wissen.
Mit großem Unverständnis reagierten die Kulturleute in diesem Gespräch
auch auf die Ankündigung, eine 10% Kürzung im Bereich der
Zuschussleistungen an Dritte im Kulturbereich müsse bis 2010 umgesetzt
werden. Auch dazu gäbe es keine Alternative. Die Vielfalt des
Freiburger Kulturlebens ist damit ernsthaft bedroht. Die Einrichtungen
sind jetzt schon am Rande ihrer Möglichkeiten, da ist kein
Einsparpotential mehr drin. Es ist langsam unerträglich, wie die
Verwaltungsspitze und die Grünen ihre Politik nur noch aus einer
Haushaltssanierung begründen, zu denen ihnen jedes Mittel recht ist.
Der Freiburger Kulturrat hat jüngst acht Thesen zu den geplanten
Wohnungsverkäufen veröffentlicht. Darin wird konstatiert, dass
nach der ersten Halbzeit des grünen Oberbürgermeisters Salomon der
Verlust einer politischen Kultur in Freiburg zu beklagen ist und mit
den geplanten Wohnungsverkäufen Freiburg eine Spaltung seiner
Bürgerschaft droht. In einer Presseerklärung der Kulturliste Freiburg
vom 22.5.06 heißt es: “Die Stadt in ihrer Gesamtheit mit all ihrer
kulturellen Vielfalt und Unterschiedlichkeit ist ein langsam
gewachsener Organismus, dessen Teile auf komplexe Weise miteinander
verbunden sind und deren keines sich ohne großen Schaden für das Ganze
amputieren lässt. Aus dem Wissen und der Gewissheit, diesem Ganzen
zugehörig zu sein, entsteht Identität, entsteht auch die Bereitschaft,
sich für diese Bürgergemeinschaft einzusetzen und sie mit zutragen.
Dieses Empfinden von Zugehörigkeit und Identität ist in
Gefahr!“
Deswegen laden Kulturrat und Kulturliste am 12.7. alle Kulturschaffenden zu einem internen Gespräch ein.