Mai 2005
Sozialverträgliche Studiengebühren gibt es nicht!
Seit
mehr als 10 Tagen halten mehrere hundert Studierende, unter
24-stündiger Obhut von 15-20 Polizeibeamten, das Rektorat der
Freiburger Universität besetzt. Ihre Forderung ist die Aussetzung der
geplanten Einführung von etwa 500 € Studiengebühren pro Semester durch
die Universitätsleitung.
Unter der Vermittlung des Eindrucks, Gebühren seien in dieser Zeit so
oder so ein Sachzwang und nicht zu umgehen, sollen demnächst an
deutschen Universitäten vollendete Tatsachen in puncto Studiengebühren
geschaffen werden. Mit fadenscheinigen Argumenten, Arbeiter und
Angestellte finanzierten mit ihren Steuern das Studium der
Unternehmerkinder, soll mit Hilfe der geplanten Erhebung einer
Studiengebühr eine scheinbare Chancengleichheit suggeriert werden. -
Wer den Nutzen hat soll auch die Kosten tragen. - Diese populistische
Forderung, sowie das immer wieder strapazierte Totschlagargument der
leeren Kassen, kaschiert auf zynische Art und Weise den Sachverhalt,
dass steuerlich weniger privilegierte Menschen in Relation zu einem
steuerlich begünstigten Personenkreis überproportional zur Finanzierung
des Gemeinwesens beitragen.
Der Druck, die eigene Ausbildung anteilig mitfinanzieren zu müssen,
birgt außerdem die Gefahr, die Studierenden zu einem marktangepaßten
und somit meist fremdbestimmten Studieren zu animieren. Das in
Deutschland sog. einzige Kapital, die Bildung, leidet unter dieser
Anpassung. Es wird künftig schlicht zu teuer sein, am Markt vorbei zu
studieren, sofern man keine reichen Eltern hat. Folge wäre, daß
empirische Grundlagenforschungen auf der Strecke blieben und ein
zukünftiges Studium unter dem Aspekt einer kurzfristigen Verwertbarkeit
aus marktwirtschaftlichen Gründen, gewählt werden müsste. Anders im
„pisa-erfolgreichen“ Finnland. Hier sind Bildungsgebühren vom
Kindergarten bis zum Universitätsabschluss gesetzlich ausgeschlossen.
Die ständig wachsende Zahl von Akademikern bestätigen diese Handhabung.
Desweiteren fordern die Freiburger Studierenden eine Demokratisierung
ihrer Universität. Sie wollen Bildung freihalten von rein
marktwirtschaftlichen Kriterien. Sie Fordern Transparenz, Partizipation
und Mitbestimmung, sowie die Wiedereinführung der 1977 unter Filbinger
abgeschafften „verfassten Studierendenschaft“ - und zwar bedingungslos.
Die Universitätsleitung versucht sie jedoch damit zu ködern, nach
Einführung von Studiengebühren wieder mehr politische Mitsprache zu
erhalten. Jedoch mit dieser aktiven Studierendenschaft läuft Freiburg
nicht Gefahr von angepassten Leisetretern überrannt zu werden.