Klimaschutz gibt's nicht zum Nulltarif
Amtsblatt 459, 7. Juli 2007
Die Verwaltung plant eine „neue Gesamtstrategie für den Klimaschutz“
und will ihr 25%-CO2-Minderungsziel bis 2010 aus dem Jahr 1996 durch
ein „aktualisiertes Klimaschutzziel“ von 30 % für das Jahr 2030
ersetzen.
Der Oberbürgermeister behauptet, dass „die Freiburger Klimapolitik auf
dem richtigen Weg und schon viel erreicht sei.“ Doch das Reduktionsziel
von 25% bis 2010 wurde deutlich verfehlt, vieles ist versäumt worden:
so wurde z.B. keine konsequente Altbausanierungs-, Nahwärme- und
Kraft-Wärme Kopplungs-Strategie umgesetzt. Fakt ist: Stadt und
Energieversorger haben in den letzen zehn Jahren weitgehend
Schmalspur-Klimaschutz betrieben.
Immerhin: 10% der jährlichen Konzessionsabgaben der badenova sollen ab
2008 „zweckgebunden für zusätzliche neue Klimaschutzvorhaben
eingesetzt werden.“ Das wären wenigstens 1,2 Mio. Euro/Jahr. Wir
meinen: 10 % aus Gewinn und Konzessionsabgaben, also ca. 3,2 Mio.
Euro/Jahr für den kommunalen Klimaschutz wären angemessener. Die Stadt
hat ein Reduktionsziel festgelegt, dass in 23 Jahren erreicht werden
soll. Ohne Zwischenziele für 2010, 2015 usw. verkommt das Ziel zur
Unverbindlichkeit.
Die Hauptverursacher der CO2 Emissionen sind Gewerbe, Industrie,
Haushalte und Verkehr. Die für die nächsten zwei Jahre vorgeschlagenen
Maßnahmen sind in allen Bereichen ungenügend, im Gewerbe- und
Industriebereich gar Fehlanzeige. Kein Wort von Effizienzwettbewerben
wie Ökoprofit, die in anderen Städten längst erfolgreich etabliert
sind. Kein Vorschlagsansatz einer emissionsabhängigen Gewerbesteuer. Im
Haushaltssektor wird das Förderprogramm zur Sanierung von Altbauten mit
300.000 €/Jahr präsentiert; nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen
Stein. Ein ambitioniertes Programm zur Förderung der Kraft-Wärme
Kopplung für die Gesamtstadt fehlt ebenso wie die Pflicht zur
Passivhausbauweise in Neubaugebieten. Schließlich glänzt die Verwaltung
auch im Verkehrssektor durch Minimalvorschläge. Wo bleiben hier die
Schritte zur schnellen und flächendeckenden Parkraumbewirtschaftung, wo
ist der Ansatz zum konsequenten Ausbau der Fußgängerzonen im
Innenstadtbereich oder das Engagement im Städtetag für eine Citymaut?
Angesichts der Vorschläge der Verwaltung bleibt die Realisierbarkeit
des neuen Zieles mehr als fraglich. Nur wenn Klimaschutz deutlich
stärker als bisher als Querschnittsthema erkannt wird, kann die
Verwirklichung des neuen Klimaschutzzieles bis 2030 gelingen.