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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 18.12.2017

FrauenNachtTaxi – Was ist die Sicherheit von Frauen wert?

Amtsblatt 9. November 2017 – Nr. 707

Nachdem GRÜN-Schwarz-FreieWähler das viel genutzte FrauenNachtTaxi 2003 aus dem städtischen Haushalt gestrichen hatten, wird es ab 10. Dezember wieder Frauen sicher nach Hause bringen. Das ist gut! Doch wie kommt’s? Als Gegnerin der damaligen Entscheidung wäre uns die Wiedereinführung wohl kaum gelungen, wären nicht im vergangenen Jahr zwei junge Frauen in Freiburg und der Region Opfer sexualisierter  Gewalt mit Todesfolge geworden. Nicht zuletzt aufgrund des darauf einsetzenden Generalverdachts gegenüber geflüchteten Männern, befeuert durch die Kölner Silvesternacht,  wird das Frauentaxi nun wieder eingeführt. Die Frage muss erlaubt sein, warum erst diese Morde für ein Umdenken sorgten. Denn:

Sexuelle Übergriffe gegen Mädchen und Frauen sind leider alltäglich -
Auch in Freiburg. Allein 2016 haben 193 Menschen Kontakt zur Beratungsstelle Frauenhorizonte gegen sexuelle Gewalt aufgenommen, rund die Hälfte aufgrund von Vergewaltigung bzw. versuchter Vergewaltigung. Regionale und weltweite Debatten wie derzeit der #MeToo zeigen die Bedeutung des Themas eindrücklich. Aber diese Zahlen sind nicht neu, die gesellschaftliche und politische Ignoranz diesbezüglich allerdings auch nicht. Was in Freiburg schließlich auch zur Abschaffung des Frauentaxis führte. Vier weitere Frauen wurden 2016/17 in der Region von Männern aus ihrem nahen Umfeld ermordet. Ein Indiz für Fremdenfeindlichkeit, dass diese Taten weniger Betroffenheit hervorriefen?

Dass Gewalt gegen Frauen weiterhin nicht ernst genug genommen wird, darauf deutet auch das Limit von 60.000 Euro, das dem Gemeinderat das Mehr an Sicherheit für Frauen durch ein FrauenNachtTaxi wert ist. Während die Stadtspitze bereit ist, für die Entfernung von Graffiti jährlich 300.000 Euro auszugeben, oder für Videoüberwachung und eine Stadtpolizei mehr als eine Mio. einzusetzen, weist das Konzept für das Frauentaxi aufgrund der Unterfinanzierung deutliche Schwächen auf: Die Taxis werden die vier Himmelsrichtungen bedienen, aber nur in 110 Nächten im Jahr an Wochenenden und vor Feiertagen und nur wenige Stunden pro Nacht. Zudem starten sie ausschließlich am Siegesdenkmal, ein Zustieg ist nicht möglich, auch keine Fahrt von einem Stadtteil in den andern. Außerdem kann im Taxi nicht bar bezahlt werden, stattdessen müssen sich Frauen vorher für 7 Euro ein Ticket besorgen.

Fazit: Das Frauentaxi hätte nie abgeschafft werden dürfen, seine Wiedereinführung ist aufgrund deutlicher Sicherheitslücken halbherzig und schließt viele potentielle Nutzerinnen aus. Wir planen im März 2018 darüber einen ersten Erfahrungsaustausch!  


Irene Vogel / Lina Wiemer