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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 18.12.2017

Das Denkmal und der Platz

SchülerInnnen des DFG

Amtsblatt 23. November 2017 – Nr. 708

Seit einigen Tagen steht es nahezu an derselben Stelle wie zu Kaisers Zeiten, vor der Karlskaserne. Das Siegesdenkmal – eine peinlich und umstritten Re-Inszenierung. Konstant wird die Kritik darüber seitens der Stadtspitze und der Mehrheit des Gemeinderats ignoriert. Eine Erläuterungstafel soll aus- reichen. Selbst ein von der städtischen Kunstkommission ausgelobter Wettbewerb bleibt bisher unbe- achtet, obwohl es hervorragende Vorschläge gibt, mit künstlerischen Mitteln eine zeitgenös-sische Form zur Auseinandersetzung zu finden. Über unseren Antrag, der Gemeinderat möge sich trotz der erfolgten Wiederaufstellung noch mit den Wettbewerbsergebnissen befassen und einen Entwurf nach- träglich installieren, wird am kommenden Dienstag entschieden.

Es waren einige Arbeiten ausgestellt, die Schülerinnen und Schüler des Deutsch-Französischen Gymnasiums erläuterten ihre Vorstellungen. In vielen Arbeiten spielten die Elemente Wasser/Bächle und viel Grün die entscheidende Rolle. In einer Arbeit wurde das Siegesdenkmal 1 m abgesenkt in den Boden und drumherum einen Sitzkreis gemacht. Aus dem Geschichtsunterricht der Klasse 9 mit dem Lehrer Kilian Fleig

Der Platz am Siegesdenkmal braucht einen Name

Auch die Durchsetzung der Forderung, den bisher namenlosen Platz entsprechend zu benennen, war äußerst langwierig. Nun hat man sich endlich dazu durchgerungen und im Februar wird die Stadt ihren Vorschlag zur Abstimmung stellen, der wohl Europaplatz heißen wird. Als eine Antwort auf die Wiederaufstellung des Denkmals gäbe es sicher bessere, vor allem symbolträchtigere Vorschläge, z.B.

Rosa-Luxemburg-Platz
: Geboren 1871, studiert in Zürich, wirkte Rosa Luxemburg ab 1887 in der polnischen wie der deutschen Sozialdemokratie als überzeugte Kriegsgegnerin und Pazifistin, die jeglichen Nationalismus bekämpfte. Im Frühling 1914 warnte sie im Freiburger Stadtgarten vor dem drohenden Ersten Weltkrieg und zuvor in Frankfurt rief sie zur Kriegsdienstverweigerung auf. 1915 wurde sie dafür verurteilt und inhaftiert. Sofort nach Beginn des Ersten Weltkriegs mündete ihre anhaltende Kritik an der Zustimmung zum Krieg zur Mitgründung der Gruppe Internationale und dem Spartakusbund und 1918 zur Gründung der KPD. 1919 wird sie in Berlin ermordet. Bisher findet sich in Freiburg kein Hinweis auf ihren Aufruf zu Frieden und Völkerverständigung.

Jean-Jaurès-Platz: In Frankreich wird Jean Jaurès, Philosoph, Journalist, Politiker und Friedensaktivist bis heute hoch verehrt. Geboren 1859 in Castres, erhielt er eine Professur für Philosophie in Toulouse. Als republikanischer Parlamentsabgeordneter und als stv. Bürgermeister von Toulouse, begann auch die journalistische Arbeit bei der Dépeche de Toulouse. Jaurès war begabter Rhetoriker auf den Kongressen der 2. Internationale in London 1896 und Amsterdam 1904. Nach der Heraus-gabe der Zeitung L’Humanité folgte die Mitgründung der Vereinigten Sozialistischen Partei Frankreichs, deren Sprecher er wurde. Er setzte sich für die frz.-dt. Verständigung ein und sah diese als Basis für den Frieden in Europa. Sein Werk über den schon 40 Jahre zurückliegenden Krieg La Guerre franco - allemande 1870 – 1871 erschien 1908. Als kraftvollste Stimme des Pazifismus schrieb er nicht nur, sondern hielt fulminante Reden gegen Militarismus und Kriegsaufrüstung. Am 24. 11. 1912 fand ein Kongress der 2. Internationale im Münster in Basel statt. Unter den Delegierten galt er als Hauptredner zur Stabilität des Friedens. Am Abend des 31.7.1914 wird er in einem Pariser Café aus dem Hinterhalt erschossen.

Platz des Friedens
: vielfach vorgeschlagen, ein weiterer denkbarer Name, der keiner Erklärung bedarf.

Irene Vogel / Brigitte von Savigny