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www.unabhaengige-listen-freiburg.de | 19.11.2017

Landwasser am Beginn einer Gentrifizierung?

Amtsblatt 2. Dezember 2016 – Nr. 685

UL beantragt geförderten Wohnungsbau

2012 überschrieben wir an dieser Stelle einen Artikel mit Hilferuf aus Landwasser. Wir nannten die Nöte der Mieter/innen durch den Niedergang des EKZ und der Wohnhäuser in der Wirth und Auwaldstraße, die sie erstmals in einer Versammlung des Bürgervereins öffentlich geäußert hatten. Dieser Niedergang nahm 1995 durch den Verkauf der Gebäude von einem Investment-Fond an den anderen seinen Anfang. Weil die Häuser damit zu Spekulationsobjekte für die Erzielung größtmöglichen Profits wurden, gab und gibt es seit nunmehr 20 Jahren so gut wie keine Modernisierung und Sanierung zum Bestandserhalt der Hochhaussiedlung. Gleichzeitig forderten wir die Stadtverwaltung damals auf, dieser Entwicklung nicht länger tatenlos zuzuschauen und der TAG Investment, dem derzeitigen Besitzer, ein Instandsetzungsgebot aufzuerlegen. Das Baudezernat hat daraufhin Gespräche mit der TAG aufgenommen, die sich jahrelang hinzogen.

Vor knapp zwei Wochen präsentierte die Verwaltung nun ein erstes Ergebnis, das der Gemeinderat bereits Anfang Dezember beschließen soll: nicht die TAG, sondern die Projektgesellschaft XI mbH, eine der unzähligen Tochterfirmen Hans-Peter Unmüssigs, wird das kaum 50 Jahre alte, aber morbide EKZ abreißen und ein Neues bauen, dazu noch 400 neue Wohnungen über 8 bis 10 Geschosse  auf mehr oder weniger derselben Fläche. West-Arkaden light? Es ist wohl auch damit zu rechnen, dass er das ganze Ensemble anschließend zügig wieder an einen Investment-Fonds verkaufen und sich so auch diese Geschichte wiederholen wird.
Green City? Nachhaltigkeit?

Das Beste aber kommt zum Schluss: In Landwasser gibt es noch ganze 366 geförderte Mietwohnungen, für 250 davon läuft am Jahresende die Mietpreisbindung aus. Doch Unmüssig möchte nur frei finanzierte Wohnungen bauen und die Stadtspitze will dem nachgeben  zur Sicherung der Nahversorgung, für ein EKZ in Landwasser. Der Beschluss, 50 % geförderte Wohnungen zu erstellen, soll erneut außer Kraft gesetzt werden. Allenfalls wäre Unmüssig bereit, 30 % geförderte der insgesamt 400 geplanten Mietwohnungen zu bauen  wenn obendrein die Stadt die Kosten dafür trägt.  
Dazu ist sie nicht willens und rechtfertigt das tatsächlich so, dass finanziell potentere Mieter/innen der Durchmischung gut täten. Fakt ist, dass schon heute die Vonovia, das zweite börsennotierte Unternehmen mit umfangreichem Wohnungsbesitz in Landwasser, neben der TAG, überhaupt nicht mehr an Transferleistungsempfänger/innen vermietet.

Fazit: Entweder der Gemeinderat stimmt jetzt sofort unter den Bedingungen des Investors zu, oder es gibt auf absehbare Zeit kein neues EKZ in Landwasser. Wird der Gemeinderat dem Verzicht auf geförderten Mietwohnungsbau erneut nachgeben? Unsere Fraktion macht da nicht mit.

Irene Vogel