Dollarzeichen in den Augen
Amtsblatt 490, 24. Oktober 2008
47,3 Mio. € der Stadt liegen bei Lehman Brothers Deutschland fest. Am
15.09. machte die Bankaufsicht die deutsche Lehman dicht. Da die
Fälligkeit der Freiburger Anlagen zwischen dem 16.09. und dem 06.10.
eingetreten ist, liegt das ganze Geld inzwischen mit unbekannten
Zinssatz auf einem Girokonto. Die Stadt verliert so täglich Geld.
Völlig unklar ist nach wie vor, wann das Geld nach Freiburg
zurückfließt. Entsprechend ist unklar, wann und in welcher Höhe die
Stadt für das blockierte Geld neue Kredite aufnehmen muss. Entgegen den
wiederholten Beteuerungen von Salomon und Neideck, es werde kein
finanzieller Schaden eintreten, ist ein solcher schon jetzt sicher –
Höhe ungewiss. Wäre es nach Salomon und Neideck gegangen, wüsste die
Öffentlichkeit heute noch nichts von der riskanten Anlage –
Verschwiegenheit war (mal wieder) angesagt, ein Lieblingsthema des
Duos. Man erinnert sich an den Ausbruch des OB im Gemeinderat am
23.09.08, als Stadtrat Moos mehr Transparenz und Öffentlichkeit von
Aufsichtsratssitzungen städtischer GmbHs forderte. Scheibchenweise
kommt jetzt immer mehr ans Tageslicht: so warnte Sparkassenchef Kary
die Stadt am 08.09. vor einer Anlage bei Lehmann. An diesem Tag hatte
die Stadtkasse die letzten 20 Mio. € an Lehman überwiesen. Auch andere
Gebietskörperschaften wie der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald hatten
die scheinbar verlockenden Angebote von Lehman erhalten, aber dankend
abgewunken. Zwar konnte niemand wissen, dass Lehman pleite geht, dass
die Bank aber in akuter Notlage ist, war weltweit bekannt. Auch in
Freiburg. In dieser Situation auf den Einlagensicherungsfonds zu
spekulieren, war hoch riskant – wie sich jetzt zeigt. Die UL fordert
eine öffentliche Debatte im Gemeinderat über die Grundsätze kommunaler
Geldpolitik mit dem Ziel einer Stärkung der Sparkasse und der
Genossenschaftsbanken sowie eine lückenlose Aufklärung über den
konkreten Schaden.
Michael Moos