Bürgerumfrage und Beteiligungshaushalt
Amtsblatt 477, 12. April 2008
Ist der Freiburger Bürger/innenhaushalt mehr als ein politischer
Schachzug der Grünen, um nach dem Debakel des Bürgerentscheides im
November 06 wieder in die Offensive zu kommen und ihrer rigorosen
Haushaltspolitik zu Lasten der wirtschaftlich Schwachen neue
Legitimität zu verleihen? Diese Frage ist schon deshalb legitim, weil
die Grünen und in ihrem Gefolge CDU/Freie Wähler ihr Herz für
Beteiligung erst in den Wochen nach dem Bürgerentscheid und dem
überwältigenden Nein gegen den Verkauf der Stadtbau entdeckten.
Bürgerumfrage, Haus-haltsrechner, Onlineforen, da werden Meinungen
abgefragt, aber nicht in gemeinsamen Dis-kussionen Ziele für die Stadt
entwickelt und dann zur Abstimmung gebracht.
Gleichwohl zeigen die Ergebnisse der Bürger/innenumfrage 11/07: die
Befragten sehen starke Defizite in den Betreuungsangeboten bei KiTas
und an den Schulen, deren Bau und der In-standhaltung, danach bei
Treffpunkten für die Jugend und im Klimaschutz, alles Bereiche, in
denen Salomon und schwarz/grün ständig betonen, wie glänzend Freiburg
positioniert sei.
Es ist ein gutes Ergebnis, dass rund 60% der Befragten mehr städtische
Mittel in diesen Berei-chen und damit in die Zukunft der Kinder und
Jugendlichen investieren wollen. Dieses Votum ist auch von Bedeutung
für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Und bei Theater und Kultur ? Hier würden jeweils knapp 50% die
städtischen Ausgaben unver-ändert lassen, und 11 bzw. 14% mehr
ausgeben. 30% votieren hier für einsparen, der Rest machte keine
Angaben. Daraus kann nur der ein Votum gegen die Kultur ableiten, der
daran ein Interesse hat. Wenn 60-65% der Befragten die Ausgaben für
Kultur nicht gesenkt sehen wollen, dann ist das angesichts des
kulturpolitischen Klimas unter Salomon ein erstaunliches Ergebnis.
Waren doch die letzten Jahre in Freiburg geprägt von immer neuen
Kürzungsdebatten und im-mer weniger von der herausragenden Bedeutung
der Kultur für die Menschen.
Eben sowenig wird schwarz/grün schmecken, daß in der BürgerInnenumfrage
65% dafür sind, die Ausgaben für Sanierung in den Wohngebieten zu
lassen bzw. zu erhöhen, ebenso 70% bei den Schwimmbädern.
Und der Beteiligungshaushalt? Sorgen wir dafür, daß er eine
Eigendynamik entwickelt, die von den Wahlstrategen von schwarz/grün
nicht mehr zu stoppen ist und eine wirkliche Beteiligung bei Einahmen
und Ausgaben der Stadt ermöglicht.
Michael Moos