Poker um das Baudezernat
Amtsblatt, 18. Februar 2006
Verwaltungsreform schiesst übers Ziel hinaus
Einerseits wird im Rathaus an der Verwaltungsreform gearbeitet, um
Stellen einzusparen, andererseits versucht man gleichzeitig die gut
funktionierende Struktur der städtischen Bauverwaltung zu zerschlagen.
Bisher gab es hier keine Koordinierungsverluste zwischen den Ämtern,
weil die Zuständigkeitfür das Gesamtkonzept Baukultur klar geregelt war.
Die schwache Position des jetzigen Baubürgermeisters kam den
Sparmaßnahmen von OB und Finanzbürgermeister entgegen: „wir sparen ein
Dezernat ein, wir opfern einen Häuptling ..“ Damit wachsen jetzt
Machtwünsche und Eitelkeiten der „großen“ Fraktionen und der
verbleibenden Dezernenten auspurem Proporzdenken heraus. Die
beabsichtigte Aufteilung des Baudezernates wurde durch die
Architektenschaft , die IHK, die Handwerkskammer, die ARGE Freiburger
Stadtbild klar abgelehnt, Fachleute aus anderen Bundesländern haben
gewarnt.
Die Aufgabenbereiche von Stadtplanung und Tiefbauamt und Stadtgrün
greifen unmittelbar ineinander, sind eng verzahnt und stehen damit für
eine effektive Zusammenarbeit. Diese Ämter zu entkoppeln und sie
verschiedenen fachfremden Dezernenten zuzuordnen, wird neue
Schnittstellen produzieren und damit neue Reibungspunkte, die Kosten
verursachen anstatt Kosten einzusparen.
Auf die Stadtentwicklung, auf die Bauleitplanung und die
Verkehrspolitik – auf die gesamte Freiburger Baukultur, würde es sich
negativ auswirken, wenn die klare politische Verantwortung für den
Bausektor aufgegeben wird.
Weil schon die Einsparung des Baudezernenten beschlossene Sache
ist, müssen jetzt alle Ämter des Baudezernates „im Konvoi“ nur einem
der Dezernate zugeordnet werden und sollen nicht auseinandergerupft und
irgendwo zugeschoben werden. Damit könnte eine - wenigstens im Ansatz
akzeptable – konzeptionelle Entscheidung gefällt werden, die den sonst
vorprogrammierten Schaden für Freiburgs Baukultur in Grenzen halten
kann.