November 2005
Wall-Klo und anderes Walliges
Der Freiburger Künstler Richard Schindler hat soeben eine interessante
Studie über die Ästhetik von Windrädern in ihrer Landschaft
herausgebracht. Eine solche Studie zur Aufstellung von Werbetafeln in
der Stadt wird es sicher nie geben. Sie hätte es aber vor der
Aufstellung geben müssen. Zumindest eine Veröffentlichung der Standorte
und eine Einbeziehung der Freiburger Bürgerschaft und des Gemeinderats
in die Entscheidung. Letzterer hat in dieser Frage versagt - das ist
durchaus selbstkritisch gemeint -, denn der Gemeinderat hätte sich
stärker um die Standorte kümmern müssen. Die Entscheidung über 250
Standorte speziell auch in der Innenstadt, hätte im Bauausschuss, aber
auch im Kulturausschuss diskutiert werden müssen. Für einige Standorte
gibt es nicht einmal eine Baugenehmigung. Stattdessen hat der
zuständige Baubürgermeister auf eine Anfrage der Kulturliste am
3.1.2005 zu einer möglichen Beteiligung der Freiburger Bürgerschaft nur
die lapidare Antwort parat, dieses sei jetzt Geschäft der laufenden
Verwaltung. Was kümmert diesen Bürgermeister eigentlich noch? Seine
Amtszeit endet doch definitiv erst im Januar 2007!
Jetzt ist die Empörung groß, viele Standorte dieser so genannten
Stadtmöblierung sind umstritten, manche sind störend, weil zu nah,
manche sind geschmacklos, weil unpassend, manche verwirrend, weil im
Verkehr irritierend, insgesamt zu viele, Werbung bestimmt die Stadt,
die Stadt verändert ihr Stadtbild, Freiburg wird gesichtslos, wird
einheitlich durch bundesweite Werbeträger. Freiburgs ‚Potsdamer Platz’
heißt ‚Platz der alten Synagoge’ und falls die Firma Wall das noch
nicht gemerkt hat, Freiburg hat keine U-Bahn! Die Firma Wall
schreibt in ihrer Selbst-Darstellung:“ Jede Stadt dieser Welt hat ihren
individuellen Charakter, denn erst die Eigenheiten einer Metropole
machen ihren Reiz aus. Deshalb bieten wir den Städten maßgeschneiderte
Designkonzepte, die das Bild einer Stadt harmonisch unterstreichen -
oder aber bewusst kontrastreiche Akzente setzen.“
Ja, diesen kontrastreichen Akzent hat die Firma Wall jetzt in Freiburg
gesetzt, indem sie unmittelbar neben dem Mahnmahl an die deportierten
Juden nach Gurs ein öffentliches Klohaus erstellt hat, welches täglich
reparaturbedürftig ist, und welches keinen Kontrast, sondern eine
Verletzung dieses Denkmals bedeutet.
Da gibt es nur eines: Sofort Entfernen!