Juli 2005
Soziale Gerechtigkeit bei KiTa-Beiträgen und sonst?
Vorbei ist die Ära des Kindergartens als Spiel- und Aufbewahrungsstätte
der Kleinen. Seit Jahren ist man sich einig, dass Kindertagesstätten
einen Bildungs- und Erziehungsauftrag erfüllen und Früherziehung die
Voraussetzung für einen guten Grundschulstart ist. Nach wie vor
scheiden sich aber bei der Finanzierung dieser Einrichtungen die
Geister. Folgerichtig wäre nämlich, eine Gleichstellung mit den Schulen
zu vollziehen und den Besuch beitragsfrei zu stellen. Das sieht auch
unsere Fraktion so. Demnach müsste der Gesetzgeber auch längst den
nächsten logischen Schritt vollzogen haben und aus dem Rechtsanspruch
jedes Kindes auf einen Kita-Platz analog der Schulpflicht auch die
KiTa-Pflicht einführen. Das scheitert jedoch an dem Prinzip „Wer
bestellt, bezahlt auch“. Denn damit wäre in erster Linie der Bund und
das Land gefragt, die Stadt hätte für die bauliche Infrastruktur zu
sorgen und die Eltern wären fein raus.
Nachdem das Land erst 2004 seine bisherige Finanzierungszuständigkeit
an die Stadt abgedrückt und die Landeszuschüsse gedeckelt hat, sehen
sich die Eltern weiterhin in schöner Regelmäßigkeit mit
Beitragserhöhungen konfrontiert. Der letzte Versuch, nach gut einem
Jahr, mit den Haushaltsberatungen im April 2005 eine weitere Erhöhung
durchzusetzen, ist auf Druck der Eltern und ihrer Beiräte politisch
gescheitert. Keine der drei großen Parteien hat es gewagt – aus
unterschiedlichen Gründen - die Eltern schon wieder mehr zur Kasse zu
bitten.
Allerdings wird der Gemeinderat in der nächsten Sitzung wohl eine
Änderung des Beitragssystems beschließen, was zwar nicht die
ursprünglich vorgesehenen 155.000, aber immerhin 46.000 Euro
Mehreinnahmen für die Stadt bringen soll. 10 % der Eltern hatten sich
bisher als Besserverdienende freiwillig in einen erhöhten Beitrag
eingestuft. Daraus soll nun der Regelbeitrag werden und nur gegen
Nachweis eine Reduzierung dessen möglich sein. Als politische
Begründung wird hier die „Soziale Gerechtigkeit“ bemüht, die in anderen
Bereichen gerne ignoriert wird. Angenommen wird, dass damit 25 % der
Eltern den erhöhten Beitrag zahlen. Davon ist wohl auszugehen. Die
Unabhängigen Listen werden sich dem nicht ganz verschließen, aber wir
werden eine deutliche Anhebung der Einstufungsgrenzen fordern und die
anderen Fraktionen drängen, mitzuziehen. Damit wollen wir verhindern,
dass genau die Familien, die mit kleineren bis mittleren Einkommen
immer über den üblichen Beitragsgrenzen liegen, wieder einmal
überproportional belastet werden.