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  19.01.2010

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Noch mehr Bildungschaos durch Werkrealschule

Amtsblatt 518, 18. Dezember 2009

Das war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung: Auf Initiative
der UL beschloss der Gemeinderat, die Einrichtung einer Modellschule
für gemeinsames längeres lernen in Freiburg zu beantragen.
Wer sich mit der immer weiter auseinanderdriftenden Gesellschaft,
mit der sozialen und kulturellen Ausgrenzung vieler MitbürgerInnen
nicht abfinden will, kann nicht anders, als dem Aussortieren von Kindern
nach der vierten Klasse ernsthaft den Kampf anzusagen. Das
dreigliedrige Schulsystem produziert Verlierer, stempelt junge Menschen
als Versager ab und widerspricht dem Ziel eines solidarischen,
gleichberechtigten Miteinanders aller.
Leider sind manchen diese Einsichten noch fremd. Sie geben sich
nicht damit zufrieden, das Auslaufmodell dreigliedriges Schulwesen
zu erhalten. Mit der Neuen Werkrealschule (NWRS) stocken sie zum
viergliedrigen System auf mit der Aussicht auf noch mehr Versager
und noch mehr Bildungschaos.
Viele haben den Schaden erkannt, den die NWRS bringen würde,
und die Kommunen davor gewarnt, jetzt sofort unter Zeitdruck die
von der CDU/FDP-Landesregierung geforderten Anträge auf NWRS
zu stellen: Landeselternbeirat, die Initiativen „Länger gemeinsam lernen“
und „Schule mit Zukunft“, der Arbeitskreis Gesamtelternbeiräte
BW, der baden-württembergische Handwerkstag, VBE und GEW, die
Schulexpertin der Grünen Renate Rastätter und 1500 Lehrkräfte des
neuen Schulamtsbereichs Freiburg.
In Ravensburg erreichten die SPD, Grüne, eine Bürgerliste und einzelne
aus CDU und FW im Sinne dieser ExpertInnen die Ablehnung
der NWRS für die Stadt und feierten ihren Erfolg als wichtiges Zeichen
für das „länger gemeinsam Lernen“. Dem Druck aus Stuttgart
nachzugeben hätte, so ihre Einsicht, die Bemühungen für ein gerechteres
Schulsystem torpediert.
Es ist mehr als ärgerlich, dass in Freiburg SPD und Grüne entgegen
ihrer verbalen Kritik an der NWRS den Engagierten für längeres
gemeinsames Lernen in den Rücken fallen und ohne Not das Projekt
der Landesregierung glaubten durchsetzen zu müssen. Für die grüne
Bürgermeisterin Stuchlik gar ist die NWRS ein Zwischenschritt auf
dem Weg zum längeren gemeinsamen Lernen . Unser Ziel bleibt es
trotzdem, in Freiburg die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom
Geldbeutel der Eltern ganz konkret abzubauen.